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Dienstag, 31. März 2015

Übergeneralisierung

Für das Notizbuch, für eine spätere Analyse:

"In einer Gesellschaft, in der niemand "zurückgelassen" wird, in der jeder eine "zweite Chance" bekommt, egal, was er angestellt hat, in der Noten und Zensuren abgeschafft werden, damit keiner bevorzugt oder benachteiligt wird, in der das Leistungsprinzip praktisch nur noch im Fußball und im Rennsport gilt, in einer solchen Gesellschaft verlieren immer mehr Menschen den Sinn für Realitäten und suchen ihr Heil in der Selbstüberschätzung. Passiert das bei Dieter Bohlens "DSDS" oder Heidi Klums "GNTM", kann es unterhaltsam sein. In anderen Bereichen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Versuch fatal endet. | Es kommt noch etwas hinzu. Diese Gesellschaft hat nicht nur den Unterschied von tauglich und untauglich, begabt und unbegabt weitgehend aufgehoben, sie unterscheidet auch nicht mehr zwischen Gut und Böse."

Ich habe, als ich diesen Artikel gelesen habe, nicht auf den Verfasser geachtet. Wie das manchmal so ist bei der Zeitungslektüre. Dann habe ich nachgesehen:

GERMANWINGS-ABSTURZ | 30.03.15 Die Botschaft vom 24. März 2015 | In gewisser Weise ist die Tragödie in den Alpen unser 11. September – jedenfalls in der Art, wie wir damit umgehen. Fast alles wird mit dem Hinweis auf den gesellschaftlichen Zusammenhang relativiert. || Von Henryk M. Broder, Reporter

Hier nur so viel: Das, was Broder hier macht, nennt man wohl Übergeneralisierung. Hier eine ihrer spezifischen Formen. Etwas genauer noch: Einzelne Aspekte, die in eine richtige Richtung weisen, und viele Aspekte, die grotesk überdreht sind. "Diese Gesellschaft ..." Als ob es diese Gesellschaft gäbe! Und dort, wo es sie gibt, weil sie politisch in Gesetze gegossen ist, da soll tauglich und untauglich angeblich aufgehoben sein? Mein lieber Broder!