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Samstag, 6. Dezember 2014

Täterbeschreibung

Wann ist man fremdenfeindlich? Wenn man das Wort Gschwerl verwendet? Anlass für diese Überlegung:

"Er ist mit einer rostbraunen Jacke bekleidet, spricht deutsch mit osteuropäischem Akzent."

Das kommt von BILD. Mal abgesehen davon, dass wahrscheinlich Der Flüchtige ... gemeint ist, was den Rest angeht -- so  oder so ähnlich steht das auch in anderen Zeitungen.

Zurück zu Gschwerl:

Mit dem bayerischen Ausdruck „ Gschwerl “ bezeichnet man herabsetzend eine Gruppe von sozial niedrig gestellten Menschen. Gerald Drews, Autor des Buchs „Das Bayerische Schimpfwörterbuch – bloß g’scherte Wörter“, übersetzt „Gschwerl“ oder auch „Gschweal“ geschrieben mit „schlimme Sippe“. Oberbayern sprechen auch gern von „Proleten“. / Der Ausdruck „Gschwerl“ ist deutlich niedrigschwelliger als das Wort „asozial“ und hat einen ganz leicht verniedlichenden Touch. Es gibt noch viel stärkere bayerische Schimpfwörter. (Tagesspiegel, am 14.08.2005)

Hier wird erst mal deutlich, dass journalistisches, aber auch sprachwissenschaftliches Herumreden über Bedeutungen die Bedeutung eines Wortes selbst nie wirklich erfasst. Es bleibt nur: Gschwerl ist Geschwerl ist Gschwerl ... Das ist natürlich auch unbefriedigend. Ich setze nur noch hinzu, dass Gschwerl auch dieses der Einheimischen einschließt: "Wir haben doch schon selbst genug Idioten unter uns, Müssen da jetzt auch noch die fremdländischen Idioten zu uns kommen?!"

Und auch das möchte ich noch anmerken: Sollte ich jemals einen Laden oder eine Bank ausrauben, ich würde für die paar Minuten auch 'deutsch mit ostdeuropäischem Akzent' sprechen. Besser kann man eine falsche Spur doch gar nicht legen.