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Samstag, 3. Oktober 2015

Das Flüchtlinge-Labyrinth

Das Bild, das mir einfällt: Die Flüchtlingsproblematik führt in den Medien und in der Politik mitten hinein in ein Labyrinth. Kleine Gruppen, bestehend aus Menschen, die gewohnt sind, eine feste Meinung zu haben und den Ton anzugeben, stehen vor einer und dann vor der nächsten Abzweigung und sagen mit viel Selbstbewusstsein "wo es nun langgehen müsste". Eigentlich ohne Plan und Verstand. Ein paar Beispiele als Indizien:

A) Die Frankfurter Rundschau berichtet über ein Interview des Innenministers im ZDF:

"De Maizière greift Flüchtlinge an | Sie prügeln sich, sie bestellen sich Taxis und beschweren sich, wenn ihnen die Unterkunft nicht gefällt - Innenminister Thomas De Maizière macht mit populistischen Behauptungen in einem Interview Stimmung gegen Flüchtlinge. || Innenminister Thomas de Maizière ist eher als der sachliche Typ bekannt, unaufgeregt, differenziert. Umso mehr überrascht, was der Bundesinnenminister nun in einem Interview mit dem ZDF an Beobachtungen über Flüchtlinge in Deutschland kundtut. Bis zum Sommer seien viele dankbar gewesen, hier zu sein, meint er. Aber das habe sich geändert. Nun gebe es viele, die sich nicht registrieren ließen, die glaubten, sie dürften selbst entscheiden, wo sie unterkommen, die nicht mehr mit der Polizei und anderen Behörden kooperieren wollten. | "Sie gehen aus Einrichtungen raus, sie bestellen sich ein Taxi, haben erstaunlicherweise das Geld, um Hunderte von Kilometern durch Deutschland zu fahren", sagt de Maizière. "Sie streiken, weil ihnen die Unterkunft nicht gefällt, sie machen Ärger, weil ihnen das Essen nicht gefällt, sie prügeln in Asylbewerbereinrichtungen." Oppositionspolitiker schütteln den Kopf. Stammtischrhetorik sei das. Sie warnen davor, Stimmung zu machen und Neiddebatten loszutreten. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Rechtsextreme und Mitläufer vor Flüchtlingsheimen aufmarschieren und gegen Ausländer hetzen."

Dieser Befund de Maizières, der ja auf Einzelfällen beruhen mag, aber nicht vollkommen aus der Luft gegriffen ist, wirft erst einmal die Fragen auf: a) Sind diese Art der Flüchtlinge absolute Einzelfälle oder doch eine nicht zu vernachlässigende Minderheit? b) Was wird aus diesen Minderheiten, wenn sie länger hier sind? Keine fragt, die FR lässt nur schnell mal das Stammtisch-Argument und den Populismus von der Leine. Wobei diese Begriffe endlich einmal analysiert gehörten. Welche Art von Menschen sitzt am deutschen Stammtisch? Und ist das Volk ein verführbares, unmündiges Kind, das jedem folgt, der an seine, des Volkes "Instinkte" apppeliert? Sind diese Instinkte einfach nur falsch?



B) Google News bringt eine Meldung, die aus zwei absolut nicht zusammenpassenden Teilen gehört. Nur ein kleines Indiz. Aber eben: Verwirrung allenthalben.

C) Aus der Süddeutschen von heute:

"3. Oktober 2015 | Zugverkehr lahmgelegt | Mehr als 100 Flüchtlinge stürmen Eurotunnel || Dutzende Flüchtlinge dringen in der Nacht in den Eurotunnel ein, der Frankreich mit Großbritannien verbindet. Der Bahnverkehr wird unterbrochen, von einer "gut organisierten Aktion" ist die Rede. | Mehr als 100 Flüchtlinge sind in den Eurotunnel zwischen Großbritannien und Frankreich eingedrungen und haben den Zugverkehr stundenlang lahmgelegt. Derzeit fahren die Züge noch mit Verspätung, doch in Kürze soll der Zugverkehr wieder normal laufen, wie Eurostar über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. ... | In der nordfranzösischen Hafenstadt kampieren Tausende Flüchtlinge, die meisten von ihnen aus Ostafrika, Syrien und Afghanistan. Sie hoffen, durch den Tunnel oder auf Fähren nach Großbritannien zu gelangen."

Wie soll man zu so einer Aktion stehen? Klar scheint nur zu sein: Wenn das, das Stürmen, die neue Umgangs- und Durchsetzungsform in Europa wird, dann haben wir in naher Zukunft Rechts- und Umgangsformen hier, die Verhältnisse schaffen, vor denen die Flüchtlinge geflohen sind.