Samstag, 26. April 2008

Steuerbetrug vs. Cleverness

Ich lese gerade einen Artikel über clevere Anlagenstrategien. Schiffsbeteiligungen seien gut. Wieder kommt mir die Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen Cleverness und Steuerbetrug?Dieser ganze Heckmeck um's Geld ist doch was für Leute, die sonst nichts Denken können, oder?
Als ich ein Kind war, wurde die Börse medial im Bayerischen Rundfunk (Hörfunk) in einer langweiligen Viertelstunde abgehandelt, in der -- "bezahlt Brief", "bezahlt Geld" und die Zahlen -- eine Botschaft wie für Ost-Spione vorgelesen wurde. Und heute? Die Volksaktionäre bekommen eine Rundumversorgung mit Tanzschritt-Anleitung. Damit sie immer wissen, wie sie tagesaktuell ums Goldene Kalb tanzen müssen. Und dann jammern die Volksaktionäre über ihre Telekom-Anteile, die nichts mehr wert sind. Warum haben sie von dem Teufelszeug nicht ganz einfach die Finger gelassen?
Irgendwas läuft da falsch.

Wikipedia: Eine Löschdiskussion, exemplarisch

Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel zu "Ashley Alexandra Dupré" verfasst und ausgebaut. Den Artikel gibt es nicht mehr. Die sogenannte Löschdiskussion will ich hier, außerhalb der Wikipedia, mal dokumentieren. (Wenn der Link nicht mehr funktioniert, ist diese Diskussion in die Archive gewandert.)

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Ashley Alexandra Dupré (gelöscht)

Keine eigenständige Relevanz, bloß weil ihr Name in der Affaire eines Politikers auftaucht – Wladyslaw [Disk.] 19:59, 6. Apr. 2008 (CEST)

Zum diesem Löschvorschlag: a) Das war der bisher schnellste Löschvorschlag, den ich erlebt habe. Ca. 3 Sekunden nach Online-Stellung. Kann man so schnell überhaupt denken? b) Relevanz ist immer so eine Sache. Die Frau ist, ob man will oder nicht, eine Person des öffentlichen Lebens / der Zeitgeschichte geworden, wie seinerzeit Christine Keeler oder später Monika Lewinsky. Da beißt die Relevanz-Maus kein' Faden ab. c) Die US-WP hat den Artikel jedenfalls. Woll'n wir wieder mal eine deutsche Relevanz-Besserwisserei etablieren? --Delabarquera 20:07, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Natürlich will man. Wenn allerdings wenigstens der Informationsgehalt von en:Ashley Alexandra Dupré vorhanden wäre. So isses aber nur die, welche den Gouverneur gebumst hat. Vergleiche mit Chiara Ohoven hinken, über die wurde weder von Bloomberg, MTV oder der New York Times berichtet. Ich bin mir nicht ganz klar, ob ich die Zweideutigkeit in der Beurteilung des Rolling Stone ('Can we afford you?) richtig interpretiere, lt. Billboard wurde ihr Song 711.334 runtergeladen (zum Vergleich: Madonnas neuer Titel die letzte Woche: 220.000 mal), Billboard ist aber jedenfalls nicht amused. Die zeitweilig gelöschte MySpace-Seite wurde zwischendurchmal gelöscht, existiert aber nun wieder, mit inzwischen 10 Mio. Hits. Vermutlich behalten, sicherlich nicht für diese Leistung, aber der en:Eliot Spitzer prostitution scandal wird uns noch eine Zeit beschäftigen. --Matthiasb 20:26, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Ich finde deine Sprache (und dahinter das Übrige) ein bisschen aus dem Unterschichten-Fernsehen. So, denke ich, sollte man sich in der WP selbst in Löschdiskussionen nicht ausdrücken. Bei dieser Ausdrucksweise ist es für mich nicht mehr möglich anzunehmen, dass jemand ein ernsthafter Diskussionspartner ist. --Delabarquera 20:32, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Ich habe lediglich zitiert. --Matthiasb 20:34, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Da ist man für behalten und dann isses auch wieder nicht recht.
Hmmm, ich frage mich gerade, was die englischsprachige Wikipedia für Relevanzkriterien hat? Muß mich mal reinlesen. Aber ich behaupte mal, sie erfüllt die hier nicht, nicht mal als die Künstlerin, so wie man sie im englischen Wikipedia darstellt. Daher löschen, gerne auch schnell. --Qanat 20:34, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Einmal doch noch eine Überlegung. Macht ja auch Spaß, sich mit Geistesgrößen zu unterhalten. Also,es gibt da doch die schöne Aufstellung unter [Kategorie:Prostituierter]. Wodurch haben die anderen Leute, meist Frauen, da wohl eine höhere Relevanz. Von Keeler und Lewinsky habe ich ja schon -- nur so zum Beispiel -- gesprochen. Wenn mir jemand die Grenzziehung von Rosemarie Nitribitt u. a.zu Miss Dupré überzeugend erklären kann, dann bin ich ja zufrieden. -- Ach, und noch ein Nachtrag: Obszönes als Zitat zu überliefern, lässt die Unterschichten-Ausdruckweise nicht verschwinden. Ein Zitat, hinter dem man sich verstecken kann, findet man immer. --Delabarquera 20:45, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Jetzt hast du den Punkt herausgearbeitet: Es gibt im Prinzip keinen Unterschied zwischen Nitribitt, Keeler, Lewinsly und Dupré. Abgesehen davon, daß Dupré bislang weder ermordet wurde, noch mit einem blauen Kleid vor Kenneth Starr ausgesagt hat, noch von Lewis Morley fotografiert wurde. (Nur für den Fall, daß hier zufällig einer LA auf Ms. Keeler stellen wollte.) Und deswegen muß halt die Relevanz auf andere Weise herausgearbeitet werden, wie ich oben aufgezeigt habe. Wenn du das als Unterschichten-Ausdrucksweise bezeichnet, kann ich dir nicht helfen. --Matthiasb 20:56, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Und genau das ist der Unterschied: die Nitribitt wurde ermordet, es wurden bis jetzt einige Filme und Dokumentationen gedreht, es gibt über sie ein Musical. Es wurde damals gegen einige Berühmtheiten ermittelt: Krupp (Harald von Bohlen und Halbach), Harald Quandt und Gunter Sachs. Miss Dupré darf gerne wiederkommen, wenn sie derart berühmt wurde. Übrigens: es gibt noch nicht mal einen Artikel zu diesem Skandälchen hier auf den deutschen Seiten.
--Qanat 21:00, 6. Apr. 2008 (CEST)
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es gibt imho (zunmindest bislang) keinen einzigen Punkt, der die Erwähnung der sich prostituierenden Dame außerhalb des Artikels des betroffenen US-amerikanischen Politikers plausibel macht - aus dem Grund, dass es ihn auf Grund fehlender sonstiger "Leistungen" nicht geben kann und wird. (ich hoffe, ich habe mich deinem Niveau gemäß ausgedrückt, der du ja Beleidigungen in LDs ganz scharf auf deinen Benutzerseiten geißelst) --FamilienNamenBearbeiter 21:02, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Im Augenblick steht die Dame im Rampenlicht, weil ein amerikanischer Politiker der zweiten Reihe zurücktreten musste. Eine nachhaltige Wirkung wie bei der Nittribit (diverse Dokus, mindestens einen Fernsehfilm), der Keeler (der Skandal kann als Paradebeispiel eines politischen Skandals gelten) oder der Lewinsli (ausgewachsene politische Krise einer Supermacht) ist zumindest noch nicht erkennbar. Kann wiederkommen, wenn eine nachhaltige Wirkung nachweisbar ist.--Kriddl Disk... 21:08, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Ich denke schon, dass die Dame eigenständige Relevanz hat. Dies findet auch die seriöse internationale Presse und nicht nur die US-amerikanische. Die Relevanz geht aber aus diesem Stub bisher nicht hervor. Deshalb in diesem Zustand löschen oder deutlich ausbauen.--Escla ¿! 21:19, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Welche "seriöse internationale Presse"? --Qanat 21:42, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Süddeutsche, Die Welt, Spiegel, New York Times, El País (Spanien). Reicht das als Auswahl?--Escla ¿! 22:05, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Bis auf Spiegel Online ja. --Qanat 22:09, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Ok, dann hier der Artikel zu den Fotos ;-) --Escla ¿! 22:30, 6. Apr. 2008 (CEST)
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In der no: wird wenigstens etwas über ihre Karriere als Bluessängerin berichtet, aber die RKs für Sängerinnen erfüllt sie wohl noch nicht. --89.247.225.33 21:51, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Habe ich weiter oben schon geschrieben. --Qanat 22:09, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Ich sehe die Relevanz eigentlich gegeben und zu bekannten politischen Skandalen sollten Biographien aller wesentlichen Akteure vertreten sein. Unabhaengig von der Revelanz ist der Artikel selbst allerdings kaum in der jetzigen Form brauchbar. Daher behalten und ausbauen--Kmhkmh 22:05, 6. Apr. 2008 (CEST)
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Die Gute könnte fast als Musikerin relevant sein, ein Artikel ist das Vorliegende aber nicht. Code·is·poetry 09:26, 7. Apr. 2008 (CEST)
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@Kriddl: ein amerikanischer Politiker der zweiten Reihe – wie wäre das zu beurteilen, wenn wir, sagen wir, einen absolut vergleichbaren, deutschen Ministerpräsidenten in diesem Skandal verwickelt hätten? --Matthiasb 19:12, 7. Apr. 2008 (CEST)
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Das ist immer noch die deutschsprachige und damit natürlich auch deutschlastige Seite der Wikipedia. Außer dem Riesenrummel, der darum in den USA gemacht wird und der kruzfristig hier aufgegriffen wurde, gibt es keinen Grund einer Frau einen Artikel zu widmen außer man erklärt die USA und ihre Skandale zum Nonplusultra. Was kommt als nächstes? Irgendein südamerikanischer Politiker, der wegen außerehelichem Sex einen Skandal hinlegt? Und das wird dann nur abgelehnt, weil hier weniger spanisch als englisch gesprochen wird? Ich mag diesenn Anglozentrismus nicht, ganz ehrlich. Und in einer deutschsprachigen Enzyklopädie kann man so einen Skandal zwar einen Artikel widmen (erstaunlicherweise hat sich dazu keiner bisher die Mühe gemacht), aber doch nicht der Prostituierten. Das läuft bei mir unter "völlig absurd", damit macht man Wikipedia zur Titten-und-Ficken-Plattform (die ordinäre Ausdrucksweise ist Absicht). Und warum sollten Biographien aller Akteure eines Skandals wichtig sein? Wer schreibt also den Artikel zu Hugh Grants Blasehase Divine Brown, war ja auch ein Skandal?
--Qanat 20:39, 7. Apr. 2008 (CEST)
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Nimm doch einfach den hier. Existiert seit 2006. --Tröte Manha, manha? 09:38, 8. Apr. 2008 (CEST)
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Deutschsprachig muss nicht deutschlastig im negativen Sinne sein, man kann/sollte schon über den Tellerrand hinzuschauen. Was den südamerikanischen Fall betrifft, ich sehe da kein Problem einen ensprechenden Artikel in der Wikipedia zu haben. Das Kriterium sollte die Qualität und Faktizität des Artikels sein und nicht in welchem Land der Vorfall stattfand. Ich kann auch nicht nachvollziehen, wie sachliche Artikel zu Skandalen bzw. Biographien Wikipedia zu einer "Titten-und-Ficken-Plattform" machen. Und warum sind Biographien zu allen wichtigen Beteiligten sinnvoll - natürlich um sich bei Interesse umfassend informieren zu können. Benötigt man unbedingt Artikel zu allen Beteiligten eines Skandals - natürlich nicht, aber das ist dann eine andere Fragestellung. Nämlich anstatt "was darf nicht in wikipedia stehen" geht es dann um "was muss mindestens in Wikipedia stehen", bei einer Löschdiskussion geht es aber um das Erste.--Kmhkmh 01:34, 8. Apr. 2008 (CEST)
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Wir schreiben hier nicht für DACH, sondern sind der deutschsprachige Teil einer weltweiten Enzyklopädie. Demzufolge wird auch (theoretisch) die Relevanz unabhängig von ihrem Auftreten betrachtet. Und die hier genannt Dame ist Objekt der US-amerikanischen Schizophrenie, dass ein Politiker über ein Sex-Skandälchen stürzt, ein anderer aber ist für den Tod von mehr als 4000 US-Bürgern mitverantwortlich, aber noch immer in Amt und Würden. Aber wie schon gesagt, im derzeitigen Zustand ist der Artikel nix.--Escla ¿! 20:52, 7. Apr. 2008 (CEST)
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Ich sagte bereits: den Skandal kann man gerne aufnehmen, aber keine Lebensgeschichten von Frauen, deren einziger Verdienst im Breitmachen der Beine besteht (schon wieder arg ordinär, ich weiß, aber wie soll ich das höflicher sagen? ). Nehmt den Skandal an sich auf, aber nicht die Frau. Das ist das Pferd von hinten aufzäumen. --Qanat 21:02, 7. Apr. 2008 (CEST)
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Es geht nicht um "Verdienste" oder was du persoenlich als "verdienstvoll" ansiehst sondern um Relevanz. Allerdings stimme ich deinen Vorposter zu, die Relevanz des Lemmas ist zwar gegeben, aber der jetzige Inhalt/Zustand des Artikels enhaelt nichts, was man nicht im Artikel ueber den Skandal direkt unterbringen kann.--Kmhkmh 16:05, 8. Apr. 2008 (CEST)
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EIN VORSCHLAG ZUR GÜTE -- Nachdem ich der bin, der diese Diskussion angestoßen hat, will ich mich noch mal melden. Jetzt ganz ruhig und unerregt. Dazu gehört, erst einmal, dass ich mich bei allen entschuldige, denen ich da oben vielleicht zu nahe getreten bin.

Jetzt zum Eigentlichen. Ein paar Dinge aus dieser Diskussion sind nicht nur WP-intern interessant, aber da eben auch und vielleicht vor allem. Ich versuche mal eine Gliederung meiner Überlegungen:

a) Vorab: Ich könnte mich jetzt hinter dem Standpunkt, ich hätte aus übergeordneten Interessen (dazu gleich) nur den advocatus diaboli spielen wollen und darum recht aggressiv vom Leder gezogen. War aber nicht so. Ich habe mich tatsächlich erst einmal schlichtweg geärgert, dass im Sekundenabstand ein Löschantrag da war. (Ganz ernst, unerregt und unaggressiv: Ich finde es immer gut, wenn eine Nacht zwischen Online-Stellung und Löschantrag steht.)

b) Ich finde, dass die große Chance der WP darin besteht, dass sie breiter angelegt sein darf und muss als, sagen wir, der Buch-Brockhaus seligen Angedenkens. Eben weil sie schnell aktualisiert ist und weil kein Papier verschwendet wird. Aber auch einfach: weil das ein großer Vorteil gegenüber dem gedruckten Buch ist. Das bedeutet: das Relevanzkriterium muss anders gehandhabt werden als bei Papier-Enzyklopädien. Vor allem, so glaube ich, sollte die öffentlich eingeführte Unterscheidung zwischen A-, B- und C-Promis keine Rolle spielen. (In einem Diskussionsbeitrag von mir vom Sonntag, 8.4.2008, der gottseidank einem technischen Fehler zum Opfer gefallen ist -- abgeschickt, aber hier nie aufgetaucht und auch auf meinem PC nicht mehr vorhanden --, habe ich das einmal die Bunte-Illustrierte-Relevanzkriterien genannt.)

c) Was sind dann die Relevanzkriterien? Meiner Meinung nach ausschließlich: eine gewisse, und sei es auch nur vorübergehende öffentliche, will sagen: mediale Präsenz. Am einfachsten, so finde ich, wäre es, eine Google-Hürde festzulegen. Eine Anzahl von Nennungen, die gegeben sein müssen, damit ein Artikel aufgenommen wird. Möglicherweise muss dann noch was dazu kommen, weil beispielsweise "Madame Dubarry" 32.300 mal gefunden wird, "Ashley Alexandra Dupré" aber 1.670.000 mal. Da gibt es gewiss keine absoluten Zahlen, aber hilfreich ist die Sache mit der Google-Hürde schon. (Auf die Dubarry komme ich übrigens, weil ich nach der gesucht habe und über sie auf Dupré gekommen bin.)

d) Ich bin, wie andere, strikt für Internationalität. Einen deutschen Sonderweg, wie auch immer, halte ich nicht für sinnvoll. Dass es spezielle Schwerpunkte für den deutschen Sprachraum gibt, die andernorts nicht so interessieren, ist durchaus in Ordnung. Nur umgekehrt wird kein Schuh draus: Wenn jemand jemanden, der irgendwo in der Welt von hohem Interesse ist, in die deutsche WP stellt, darf das "Interessiert uns in Deutschland (Österreich, der Schweiz) nicht!" nicht zum Ausschluss-Argument werden. Einen solchen Ausschluss meine ich mit einem Sonderweg, der zum Isolationismus führt.

e) Mit den vorausgegangen Punkten eng zusammenhängend die Frage: Wer interessiert in der WP? Diese Frage hängt eng zusammen mit einer anderen: Wozu ist die WP da? Ich glaube nicht, um A- von B-Promis zu unterscheiden. Sondern um Informationen zu liefern, nicht nur was Personen angeht, sondern auch hinsichtlich von Srukturen, in denen Personen eine Rolle spielen. Etwas genauer und am Beispiel: Wenn in drei Jahren jemand eine politikwissenschaftliche Diplomarbeit über Politiker und ihre Sexskandale schreibt, dann soll er meiner Ansicht nach in der WP auch zurückliegende Fälle von C-Prominenten wie Ashley Alexandra Dupré finden können, um dann weiter zu recherchieren. Wer also, explizit oder implizit, mit dem ABC-Promi-Faktor argumentiert, der schließt diese Zielsetzung der WP aus, die ich für so sinnvoll wie unverzichtbar halte.

f) Ich gebe zu, dass ich mich nicht ganz frei machen kann von Vermutungen, dass es in der WP Löschantragskartelle gibt, besetzt mit Leuten, die gerne einfach löschen, weil sie das Gefühl haben, besser als andere zu wissen, was wichtig und nicht wichtig ist. Und gleich dabei, dass auch die WP ohne Machtstrukturen nicht existieren kann. Wobei diese Machtstrukturen dazu verleiten, zu versuchen, "etwas" in der WP zu werden. Damit soll jetzt um Himmels willen nichts Beleidigendes verbunden sein. Es ist -- noch einmal! -- nur eine Vermutung, die sich darauf stützt, dass manchmal innerhalb kürzester Zeit drei Unterstützungen da sind, bei denen mir vollkommen schleierhaft ist, wie unabhängig voneinander drei Menschen auf diese, meist entlegene, Sache kommen können. (Es gibt im Übrigen eine wunderbare Erzählung von Wolfgang Hildesheimer, in dem voller Hochachtung ein Mensch dieses Tpyus vorgestellt wird. Wer diese Geschichte nicht kennt: Die WP hat dieser Person Gottlieb Theodor Pilz einen eigenen, inzwischen wohl unumstrittenen Artikel gewidmet. Unbedingt lesen! Die Geschichte noch mehr als den Artikel.)

g) So, zum Schluss: Ich bekenne jetzt, dass ich einstens auf die WP gekommen bin, weil ich eine Diplomarbeit zum Thema "Auseinandersetzungen in der WP" vergeben und erst einmal selbst Erfahrungen sammeln wollte. Daraus ist eine kleine Passion geworden. Ich liebe das Chaos hier! Und auch die Aggressionen, die gelegentlich emporkochen. So ganz von der Idee einer Arbeit zum Streit in der WP bin ich immer noch nicht weg. Vielleicht mache ich nächstes Jahr selbst was draus. Mal sehen. Das sage ich deshalb: Wenn jemand an dem Thema WP-Aggressionen interssiert ist, bitte ich um eine Mail, wer mag direkt an delabarquera@aol.com. Mein Wunsch wäre dann: Mit Nennung des Klarnamens. Ich schreibe dann auch mit Klarnamen und allen übrigen Kontaktdaten zurück. (Ein Hinweis darauf, dass ich ein großer Verfechter der Klarnamen in der WP bin und dennoch nicht verkenne, dass die WP wohl nicht so groß geworden wäre, wenn dieses Prinzip von Anfang an gegolten hätte.)

Noch was: Ich bin der Meinung, dass man durchaus Stubs produzieren darf, weil wir ja gemeinsam an der WP schreiben. Ich hoffe immer, dass da einer kommt, der mehr weiß als ich, und weiterschreibt. Auch das halte ich für vernünftig.

So, das war's. --Delabarquera 17:08, 8. Apr. 2008 (CEST)
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gelöscht. sугсго.PEDIA 11:16, 13. Apr. 2008 (CEST)
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Dass sie nicht mal im Artikel ihres Verehres - zurecht - namentlich Erwähnung findet, sagt einiges über ihre Wichtigkeit.
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Ok, Ok, Ok. Wie und dass ich nicht als "Verehrer" [nicht. "Verehre", das nur wegen der Sorgfalt] auf den Namen gekommen bin, habe ich oben extrem deutlich gesagt. Natürlich ist schon die Frage, ob und wie gut da vom Administrator gelesen wird. Lassen wir's vorerst bei einem Lächeln. --Delabarquera 13:42, 13. Apr. 2008 (CEST)

Mittwoch, 16. April 2008

Torwand des ZDF

Gesucht. Gefunden hier!
Hier sind die Maße der Torwand:

Breite: 2,70 m
Höhe: 1,83 m

Die Löcher haben einen Durchmesser von 55 cm. Rechtes Loch unten ist 8 cm von der unteren und 20 cm von der rechten Kante entfernt. Linkes Loch oben ist 23,5 cm von der linken und 23,0 cm von der oberen Kante entfernt.

Näheres über die Torwand: Die Torwand ist aus Holz. An der Rückwand ist ein Metallgestell befestigt, damit sie nicht kippen kann. Die Torwand ist auf Rollen, allerdings mit Feststeller, wegen der Stabilität.

Schussentfernung: 7 Meter

Gruß, Redaktion SPORTstudio

Lehrersprüche

Das hat mich doch schon immer mal interessiert: Lehrerzitat heute. Was soll ich sagen? Ich bin enttäuscht. Wenn das der spickmich.de-Durchschnitt ist? (Extra Mitglied werden, um mehr zu lesen, wollte ich dann doch nicht.)
Also nur mal aus meiner Zeit. Da wurde im Schüler-Kabarett der Lehrer R. zitiert, der, damals schon, die Werbesprache analysierte und die Übertreibungen in der Werbung geiselte.
"Ein ganz normales Spülmittel! Und dann heißt es gleich: 'Ein Spritzer ins Becken und die Hausfrau jubelt!"
Schon klar. Ist schwer zu toppen. Es gilt halt auch hier: Das waren noch Zeiten!

Lesarten

eine starke Frau
ein starker Mann
eine starke Brille
eine starke Taschenlampe
ein starkes Verb
die starke Wechselwirkung
eine starke Position
das starke Bier

Der Tod eines Universitätsprofessors

Der hochgeehrte, vielveröffentlichende, österreichische Universitäts- professor alten Schlags ist, 93jährig, gestorben. Bis zu seinem Ende hat er, Geisteswissenschaftler nicht nur dem Worte nach, gedacht, geforscht, geschrieben und sogar veröffentlicht.

"Den Tod begreifen wir nicht. Das ist uns nicht gegeben. Also denken und arbeiten wir bis zum Schluss und denken nicht an den Tod. Ja, man könnte sagen: wir verdrängen den Tod aus Notwendigkeit. Oder noch genauer: weil es sich so gehört."

Hat der Herr Professor das gesagt? Nein.

Hat er je gedacht -- bewusst gedacht? Nein.

Was dann?

Das ist die Devise, nach der er gelebt hat und nach der er gestorben ist.

Ist das eines Universitätsprofessors unwürdig?

Nein, keinesfalls. Im Gegenteil. Es entspricht seiner Würde.

Wäre er ein Künstler gewesen, der Herr Professor, dann -- ja, dann wäre es seiner unwürdig gewesen. Oder besser anders: Er hätte, ohne dies immer wieder bewusst zu denken, kein Künstler sein können.

On the road again ...

Südlich von München, auf der Salzburger Autobahn. Ich bin mit einem wirklichen Kleinwagen, der aber locker 160 fährt, unterwegs, und da gehe ich mit 150 km/h so ungefähr 100 Meter zu früh zum Überholen raus. Ein dunkler Audi mit geschätzten 185 schießt mit Zweimal-Lichthupe heran. Kann sich grad noch derfangen. Nicht dass er den Fuß nicht hätte vom Gas nehmen können, der Audi-Fahrer. Aber wieso sollte er. Ein Kleiwagen hat auf der Audi-BMW-Porsche-Spur doch gar nichts zu suchen! Ich gehe also brav wieder rein und lasse überholen. Dann erst wieder links raus. Eine Juristin war's wahrscheinlich.

Woraus schließe ich das?

Na ja, 800 Meter später wird die Geschwindigkeit verbotsschildmäßig auf 120 runtergeschraubt, und an selbigem Audi flammen die Bremsleuchten auf, und der Audi fährt schlagartig 120. Ich lasse ausrollen und muss zwangsläufig überholen. Dabei ein Blick nach rechts. Frau, ca. 45, wirres Haar, dürres, verbissenes Gesicht. Ich grinse beim langsamen Überholen rüber. Blick zurück von rechts weiterhin: böse, gehetzt und dauer-verärgert.

Letzteres und die schlagartigen 120 lassen mich das mit der Juristin vermuten. Richterin wahrscheinlich sogar. Könnte auch eine Kriminalhauptkommisarin in offizieller Mission sein. Aber nein, eine Kriminalhauptkommisarin würde nicht so verbiestert schauen.

Dann noch: Vor Innsbruck, ich rolle die vorgeschriebenen 100 und lege noch 10 drauf. Ein dunkler Golf kommt rasch näher. Natürlich kommt er aus Deutschland und da aus GT = Gütersloh. Junger Mann. Freude am Fahren. Wahrscheinlich auf dem Weg nach Italien. Was macht der bloß in Italien um diese Zeit? Viellleicht wartet eine Liebste oder ein Liebster und er hat es eilig. Geschenkt.

Keine Rowdys. Beide nicht. Das Stichwort setzte ich wegen Angrenzung drunter. Nein, das ganz normale Fahrvergnügen.

Dienstag, 15. April 2008

Roman Herzog, der Mindestlohn und die Dummheit

Eigentlich schätze ich Roman Herzog, und als seinerzeit seine Ruck-Antrittsrede allenthalben kritisiert wurde, habe ich unter Bekannten für ihn gesprochen. Aber manches ist halt auch nicht zu verstehen. Wie etwa das, was er da der BILD-Zeitung sagt:
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BILD: Aber selbst der nachweislich Jobs vernichtende Mindestlohn bekommt bis tief ins bürgerliche Lager Umfragemehrheiten von bis zu 70 Prozent.

Herzog: Es gibt auch ein Grundrecht auf Dummheit.
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Da gibt es drei ganz unterschiedliche Kritikansätze.
  • Wer so redet, sagt, dass der Andersdenkende und Andersargumentierende dumm ist. Das ist zumindest grob unhöflich.
  • Dies besagt implizit -- was übrigens bei vielen deutschen Argumenten der Fall ist (wie etwa denen gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen): Die anderen, die das haben oder eingeführt haben, sind dumm. Die Franzosen zum Beispiel, die ihren SMIG, den salaire minimum interprofessionnel garanti, seit 1950 haben und es sich kaum anders mehr denken können. Nicht nur bei den Gewerkschaften ist entsprechendes Argumentieren nachzu- lesen.
  • Das wirtschaftliche Argument. Ich kann der Rede gegen den Mindestlohn nichts anderes entnehmen als: Die Wirtschaft ist wie die Natur. "Es hat keinen Sinn, gegen die Naturgesetze vorgehen zu wollen." Nur eben -- Wirtschaftsgesetze sind keine Naturgesetze, sie sind von menschlichen Grundan- nahmen bestimmt, die verändert werden können! Einst war die Annahme, es müsse naturrechtlich Sklaven geben, auch eine akzeptierte Grundannahme. Abgekürzt gesprochen: Wenn ein Arbeiter für 4 Euro 50 die Stunde arbeitet, dann gibt es zwei Argumentationslinien. a) Seine Arbeit ist halt nicht mehr wert, und er soll gefälligst schauen, wo er bleibt und wovon er lebt. b) Die anderen = die Steuerzahler sollen ihm was zuzahlen und damit indirekt den Arbeitgeber, der so wenig zahlt, alimentieren. Das erste ist zynisch und das zweite dumm-sozialistisch.

Sonntag, 13. April 2008

Casio Gebrauchsanleitung - Uhr

Ich will endlich eine Uhr auf Sommerzeit umstellen. Nur wie? Die Casio Telememo 30. Im Netz finde ich rasch einen Schicksals- genossen, der sich verzweifelt gibt. Ich könnte ihm die Antwort geben. Aber dafür extra Mitglied in einer weiteren Newsgroup werden? Also, hier wäre die Antwort. Die Gebrauchsanleitung bei Casio selbst, im pdf-Format. Prima.
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Wenn jetzt noch die Gebrauchsanweisung von einem Menschen mit Sprachgefühl und Sprachkenntnis überarbeitet würde, wäre alles in Butter. Nehmen wir mal ein Beispiel:

"Zeitnehmung", liebe Freunde von Casio, ist kein deutsches Wort. Zeitnehmer und Zeit nehmen steht für eine Messung mit der Stopp-Uhr. Das ist hier aber nicht gemeint. Es geht um Zeiteinstellung, manchmal auch um die angezeigte Zeit. Und so weiter.
Ja, und was die Uhr auch zum Ärgernis macht: die Überfrachtung in Verbindung mit einer nicht-intuitiven Einstellung. Letztere leuchtet sicher den Ingenieuren ein und denen, die Tag um Tag mit diesen Uhren zu tun haben. Aber der normale "Nutzer" kommt dabei ständig in Trudeln.

Schalke und Slomka

Ich bin kein Anhänger von Schalke und habe keine besondere Beziehung zu Mirko Slomka, der da heute "gefeuert" wurde. Vor dieser Tatsache:
Ich glaube (und vielleicht hoffe ich es innerlich wegen dieser Trainer-Entlassung), dass Schalke den Bach runtergeht. Ich glaube ganz sachte, dass Slomka aus einem dauerberauschten Gurken-Verein was halbwegs Ansehnliches gemacht hat. Statt mit diesem Trainer auch durch kleinere Rückschläge hindurchzugehen, wird dieser Club sofort wieder größenwahnsinnig und glaubt, er sei zu noch Größerem berufen.
Wollen wir mal sehen, ob sich Schalke, egal mit welchem Trainer, in der nächsten Saison nicht in den Abstiegsplätzen wiederfindet?
Wie sagte einst eine große Sportreporterin völlig zurecht -- und keiner hat's damals geahnt:
Schalke Null Fünf.

Donnerstag, 10. April 2008

blogger.com-Bearbeitungsfüller

Warum ist manchmal, obwohl man angemeldet ist, der blogger.com-Bearbeitungsfüller rechts unter den eigenen Beiträge nicht da? Geheimnis über Geheimnis, auch in der Blogger-Szene.

Hm, habe ich das nicht mit ein wenig anderen Worten schon einmal gefragt? Anyway...

Mittwoch, 9. April 2008

Todesfall Jeremiah Duggan


Wieso habe ich bis heute, bis zu diesem Netz-Zufallsfund, nie etwas davon in der Zeitung gelesen, im Radio gehört, im Fernsehen gesehen?


[...] Jeremiah hatte in der Nähe von Wiesbaden eine Tagung des 'Schiller-Instituts' besucht und soll sich dann mitten in der Nacht auf einer Schnellstraße vor ein Auto geworfen haben. Die deutschen Behörden haben den Fall trotz einiger Ungereimtheiten schnell als Selbstmord abgehakt und ließen sich weder durch einen Aufruf des renommierten Simon-Wiesenthal-Zentrums (Jeremiah war Jude) noch durch einen Appell von 96 britischen Abgeordneten zu einer Wiederaufnahme bewegen. Genaueres zum Fall Jeremiah Duggan entnehmen Sie bitte der 'taz', der 'Berliner Zeitung', 'Telepolis' oder dem 'Daily Telegraph', diesem Beitrag des Hessischen Rundfunks (von dem ich leider nicht weiß, wann und in welcher Sendung er gelaufen ist) und der Website 'Justice For Jeremiah'."

Da muss man doch einfach einmal genauer hinsehen!

Dieses Zitat entnehme ich dem Blog Coffee and TV. (Dort mit entsprechenden Links.)

Sonntag, 6. April 2008

Kriminellen-Lehrplan

Mathematik und IT in der Praxis. Eine Überlegung für die Überarbeitung der Lehrpläne? Wie schaffe ich es, eine EC-Karte zu knacken? Andere können das schon.

"Die Täter stammen alle aus dem kleinen rumänischen Dorf Bacao. Insgesamt kennt die Polizei Namen von 30 weiteren Tatverdächtigen von dort. 'Langsam haben wir das Gefühl, dass in dem Dorf im Matheunterricht nicht das Einmaleins, sondern das Kopieren von EC-Karten gelehrt wird', so [Ermittler] Halin."

Von Menschen und Haien

"Wenn man alle Panda-Bären der Welt tötet, wird unser gesamtes Ökosystem davon nicht bedroht. Wenn man aber die Haie ausrottet, gefährdet das das Gesamtsystem."

Der australische Tierfilmemacher Rob Stewart im Radio. Aus dem Gedächtnis ztiert. Eine Radiosendung über einen Hai-Film, in dem auch gezeigt wird, wie Hai-Fänger die Tiere an Bord ziehen, ihnen die Flossen abschneiden und sie dann, noch lebend, ins Wasser zurückwerfen.
Man kann einen Test entwickeln: Wer da keinen unmittelbaren Ekel gegenüber Teilen der Menschheit empfindet, muss uns ganz unmittelbar Angst machen.
Der Film: "Sharkwater": [ 1 ] [ 2 ] Gesamtsuche: [ 3 ].

Politische Kommunikation

Alles bildet. Und wirft immer mehr Fragen auf. Also bildet auch und vor allem: das Radiohören.

Bayern 5 Radio. Heute morgen: Über die Landesbank-Abschreibungen und das "Zocken". Über das G8 an den Gymnasien. Dann die Nachrichten.

Bei den Nachrichten: Jetzt kommt heraus, dass damals Bundeskanzler Schröder mit Muammar al-Gaddafi einen Deal gemacht hat: Aus- bildungshilfe für die lybische Polizei gegen Hilfe bei der Befreiung von deutschen Geiseln, der Familie Wallert auf den Philippinen. Alles komplex. Aber Punkt bleibt seltsam in der Kommunikationslandschaft der Politik stehen: Wird da, kaum dass eine Meldung in der Zeitung ist, ein Beamter aus der Schröder-Zeit hellhörig, greift zum Telefon und stellt ein paar Dinge schnell klar. Die dann in der Tagesschau bereit stehen. Dass da nicht Polizisten ihr Gehalt im Urlaub aufgebessert haben, indem sie so eben mal nach Lybien geflogen sind, um da Geld zu verdienen. Und ihre Erholungszeit zu Geld zu machen. Was sicherlich schon an und für sich nicht erlaubt ist. Warum also sind die Kommunikationsstrukturen nicht so? Weil alle erst mal abwarten müssen, was die "Führungsebene" so sagt? Was für eine grässliche Vorstellung um die Freiheit der Bürokraten in den Ministerien und im Bundeskanzleramt!

G8 und Bank. Ach Gott, später vielleicht mal.

Donnerstag, 3. April 2008

Das Web und die deutsche Geschichte


Befremdlich: Ich probiere http://www.deutsche-gesschichte.de/ aus und bekomme das da zu sehen. (Kannn klickend vergrößert werden.) Die Seite hat offenbar keine weiterführenden Links und spielt sich im Wortsinn wie wahnsinnig auf.

Narrenanstalt JURA

Es liest sich wie ein Bericht von einem Drama, das drei Insassen einer Narrenanstalt, geschrieben haben, was Christiane Kohl da in der Süddeutschen* berichtet. Dürfen wir von den Juristen-Vereinigungen verlangen, dass sie Forschungen auf den Weg bringen, ob Juristen besonders durch Durchgeknalltheit gefährdet sind?
Weiter-heiter gefragt: Ist es Zufall, dass das Stück in Sachsen spielt? Könnte es auch, sagen wir: in Hessen spielen? Lassen wir das dahingestellt. "Tollhaus" kommt im Titel des SZ-Artikels vor. Aber das ist ein metaphorisiertes Wort, das die Sache längst nicht mehr trifft.

Die Berichtssituation:

"[...] Am Küchentisch [..] sitzt zitternd eine hübsche junge Frau, während sie über jene Monate im Winter 1992/93 erzählt, als sie zusammen mit einer Handvoll anderer Mädchen in einem illegalen Bordell an der Merseburger Straße in Leipzig zur Prostitution gezwungen wurde: "Es war eine immer wiederkehrende Vergewaltigung", sagt sie."

Merseburger Zaubersprüche der neuen deutschen Art.

"Insgesamt mehr als 30 Ermittlungs- und Prüfverfahren hat die Staatsanwaltschaft schon eröffnet. Freilich ist auch sie nicht von Kritik verschont: Zeugen klagen über rüde Verhörmethoden, Anwälte werfen den Ermittlern vor, sie würden Willkür bei der Akteneinsicht walten lassen und manchen Beschuldigten großzügig Einblick gewähren, anderen hingegen weniger. 'Das ist', sagt ein sächsischer Jurist 'wie ein Stück aus dem Tollhaus.'"

Da ist es, das Tollhaus. Akten außerdem, das ist auch so ein Zauberwort. Waren da nicht nach der Regierungszeit von Helmut Kohl Akten einfach verschwunden? In welcher Bananenrepublik leben wir? Oder ist es soweit, dass dieser Vergleich unstatthaft ist und wir die Bananenproduzierenden Staaten um Verzeichung bitten müssen, wenn uns das Wort wieder mal herausrutscht?

"Auch Manuela ist in den letzten Wochen zweimal schon stundenlang von den Staatsanwälten vernommen worden, stets ging es um die Frage, wer der Freier namens Ingo gewesen sein könnte: ein städtischer Immobilien-Manager in Leipzig, ein ehemaliger Richter am Landgericht der Messestadt oder vielleicht doch nur ein unbekannter Geschäftsmann aus Hamburg?"

Was heißt hier 'nur'? Ist so was bei Hamburger Geschäftsleuten üblich und statthaft?

"'Die Kundschaft war zum Teil sehr zahlungskräftig', gab der Zuhälter Micha später zu Protokoll. Auch die Mädchen erinnerten sich im Polizeiverhör an 'Nadelstreifenhosen, Aktenkofferträger, Schlips- typen'. Der Zuhälter hatte vorgesorgt und einen Ordnungshüter in die Geschäfte mit einbezogen. Der führte dem Etablissement eine 15-jährige Ausreißerin zu, mit der er zuvor im Polizeigewahrsam intim geworden war. Raue Sitten, doch im Prozess, der im Januar 1994 stattfand, gab es milde Strafen: Der Polizist bekam eine Bewährungsstrafe, der Zuhälter erhielt vier Jahre, obwohl man ihm in einem Fall sogar Menschenhandel nachweisen konnte. Noch besser erging es den Freiern - sie wurden gar nicht erst ermittelt."

Tja. Stell dir vor es gibt milde Strafen. Und keiner schaut hin.

"'Hello, are you there?', haucht eine katzenhaft samtig klingende Frauenstimme in den Raum - es ist das Handy des Amtsgerichtspräsidenten, das sich meldet. Der Mann sitzt im eleganten Karojackett an seinem Schreibtisch hoch über der Innenstadt von Chemnitz, am Finger trägt er einen stattlichen Brillantring. Einst war er als Leipziger Staatsanwalt federführend für die Ermittlungen gegen die Immobilienhändler gewesen. Dass dabei, wie die Prüfer vom Innenministerium heute feststellen, etwas schiefgegangen sein könnte, weist er von sich. Selbstverständlich, sagt der Gerichtspräsident, habe er die Dinge auch 'nie in eine Richtung gelenkt'."

Selbstverständlich. Basta.

"'Damals habe ich auf einem der Fotos den Richter erkannt', sagt sie, daraufhin seien die Polizisten 'total erschrocken' gewesen. In den heute verfügbaren Akten aber findet sich davon keine Spur: Dem Vernehmungsprotokoll zufolge hatte Manuela vielmehr den LWB-Manager als 'Ingo' identifiziert."

Jaja, die Akten von den Nackten. (Unziemlicher und sinnloser Reim. Fällt einem halt so ein, wenn man sich durch so was hindurchliest.)

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Wir können auch noch die Berichte über den Ex-Richter Gnadenlos Ronald Schill dazunehmen, der jetzt koksend gefilmt wurde. BILD hält uns auf dem Laufenden.

Es passt auch noch die Meldung, die heute auch in der Zeitung steht: Die Verurteilung eines Jura-Professors aus Hannover.

Die Artikel werfen wie nebenbei die Frage auf, wann eigentlich "datenschutzmäßig" ein Gesicht gezeigt, ein Name genannt werden darf. Der Professor jedenfalls ist jedesmal unkenntlich, sein Name nicht zu lesen. Beim Ex-Staatsananwalt ebenso.

Am Besten ist der Herr Professor noch auf einem Bild der BILD zu sehen. Die Augenpartie gerastert sitzt der Mann da, grinsend wie ein Ackermann aus Böhmen. Nein, natürlich: der Schweiz. Weshalb aus der BILD-Zeitung zitiert sei:

"Gute Noten gegen Sex, Doktortitel gegen Bares – so besserte ein Jura-Professor aus Hannover seine Kasse und sein Liebesleben auf. Für Bestechlichkeit in 68 Fällen wandert er nun ins Gefängnis."

Das Narrenhaus maskiert sich. Können Journalisten die Demaskierung ins Werk setzen?

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* Süddeutsche Zeitung, Nr.77, Mittwoch, den 02. April 2008, Seite 3

Montag, 31. März 2008

Amelia Earhart 2

Eine Seite, ein Blog, auf dem ich sie finde und dann die URL vergesse.

Bild 1 und Bild 2 als Ersatz.

Trimgel - Fund des Tages

"Oprah Winfrey schwört darauf! Trimgel Abnehmgel jetzt endlich erhältlich in Deutschland."

Na dann...

Zeitmanagement (usw.)

Wer nach Ordnung im Leben sucht, für den gelten zwei Grundsätze:
  • Misstraue allen Patentrezepten!
  • Am Besten ist es bei vielen, allerdings nicht bei allen Ordnungsarbeiten, einfach mal anzufangen.

(OK. Da muss noch einmal genauer hingeschaut werden.)

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Fortgesetzt wurde das hier.

Müller-Milch

"Die Firma Müller-Milch wollte keine Stellung nehmen", vermelden die Morgennachrichten. (Der Hintergrund hier.) Wieder einmal die Eckworte: Marktmacht, ehrliche Arbeit der Bauern, Milchpreis zwischen 30 und 41 Cent. Kurz- und langfristige Verträge.
Die Härte des Wirtschaftslebens kann mit den dürren Nachrichtenzeilen eingeatmet werden. Die Zwiegesichtigkeit des Marktes: der Produzent will mehr Geld, der Verbraucher will weniger zahlen, und dazwischen ist die Verarbeitung und der Handel. Beide wollen satt verdienen. Das kleine Unorganisierte an die Wand gedrückt werden, ist klar. Die Linkspartei weiß, wie und wo sie an Stimmen kommt.
Was, fragen wir erst mal in Abwandlung eines Pilatus-Wortes -- was ist Gerechtigkeit?

Sonntag, 30. März 2008

Unterhaching hat gewonnen!

Das freut den Unterhachinger.

Und in der Südkurve konnte man Hardcore-Fans sehend und hörend bewundern. Woher sie nur die se Sprüche haben?! Die muss ja ein Mensch mit Rhythmusgefühl entwickelt haben, den der gedankliche Rotz nicht stört, und auch nicht die Lust, so was rauszulassen. Auf dass es von den Burschen da aufgesogen wird. Gedichtet haben sie diese Zeilen sicherlich nicht selbst.

Also, zur Sache! Ein Sandhausener liegt drüben für längere Zeit am Boden. Grölt der dickliche Fan, der sichtlich stolz darauf ist, dass ihn seine Kumpel wegen seines Muts verlegen von der Seite her anschauen:

"Lasst ihn lie-gen, / Scheiße tritt sich fest!"

Quiz > Fußball

Über welchen Spieler, der seine Memoiren veröffentlicht hat, schreibt ein Rezensent bei Amazon: "Ich [habe] mir also das N.N.-Hörbuch gekauft, um [...] dem Herrn N. N. die Chance zu geben, in meinem Ansehen zu steigen. Jedoch ist alles, was mir N. N. mit diesem Buch gezeigt hat: Hinter der Fassade des superdummen Fussballprols steckt ein superdummer Fussballprol."
Auflösung hier.

Samstag, 29. März 2008

meg ryan - Google-Suche

meg ryan - Google-Suche

Nur mal so ausprobiert. Das geht also direkt von Google aus. Erstaunlich. Und wird fertig abgeliefert.

Donnerstag, 27. März 2008

Transrapid

Der Transrapid zum Münchener Flughafen wird nicht gebaut, teilt der Bayerische Rundfunk mit. Die Kosten halt!
Was sind die argumentativen Eckdaten?
a) Wenn die Technik-Begeisterung um 1850 so hoch gewesen wäre wie heute, führen wir heute noch mit Pferdekutschen.
b) Wenn die Industrie Dinge entwickelt, die nicht zu bezahlen sind, wird's nix mit dem Fortschritt.
Was wir nötig haben, ist schon so ziemlich klar: Bezahlbare, sparsame, effiziente Verkehrsmittel. Ich merke mal schnell an, was wir vollkommen aus den Augen verlieren: ein Verkehrssystem, das die Vorteile des individuellen Autos mit den Vorteilen der "öffentlichen Verkehrsmittel" zusammenfügt. Also, auch wenn es arg futuristisch klingt, wir brauchen: ein Auto, das wir zu Einfädelpunkten steuern, von wo aus die Vehikel zu Kolonnen zusammengeschlossen und automatisiert zum Zielpunkt geführt werden. So etwas ist technisch sicher möglich, wenn man in diese Richtung überhaupt denkt.

Montag, 24. März 2008

Messie

Die wichtigsten Dinge zum Messie als Standard sind in der Wikipedia schon mal wieder zusammengetragen. Das Dumme -- ich finde die gängigen Deutungen dürftig und, schlimmer, nicht hilfreich. Das beginnt mit dem Begriff. Der hat so was aus der Sicht des Normalos Verniedlichendes und Normalo-Dumpfbackiges. Messie! Wie das schon klingt. Diese dämlichen -i-Bildungen: Ossi, Wessi, ... Diese Wortbildungstyp ist an und für sich und in seinem Kern unsagbar doof. (So, das musste ja mal gesagt werden!)
Ich finde heute über bild der bissenschaft 1 / 2008 und dort über das Thema "Kritik des Timemanagement" Zugang zu ein paar in meinen Augen vernünftigen Ansätzen.
Da ist zunächst das Verstehen des Ausgangspunkts:
a) 'Die Sachen nicht hinbekommen' hat damit zu tun, das einer viel zu viele Dinge gut, interessant, beachtenswert findet.
Das ist an und für sich nichts Negatives. Die Ordentlichen, die immer alles gleich schön abheften und darum gleich wiederfinden, sind im Normalfall die, die keinen wirklich eigenständigen Gedanken denken können. Der Preis ihrer Ordentlichkeit. Wer mag vergleiche in die Gegenrichtung Wittgenstein und seine extreme Fertig-Mach-Problematik.
b) Die wohlfeilen Ratschläge, die jeder kennt und sich gegebenenfalls auch ohne fremde Hilfe zusammenreimen kann, sind keine Hilfe.
"Mach einen Stundenplan, und halte dich an deinen Stundenplan!" Oder: "Bleibe bei der Sache!" Oder: "Fang erst was Neues an, wenn du das Alte zuende gebracht hasst!" Je nun, wenn das für den kreativen Menschen so einfach wäre! Es kommt ihm halt andauernd etwas staunenswert Neues in den Kopf geschossen. Das will er festhalten. Schon ist der Stundenplan über den Haufen geworfen. Das Problem ähnelt dem des Mit-dem-Rauchen-Aufhören-Wollens. Also:
c) Alles ist eine Willensproblematik!
Selbst wenn der Chaot perfekt einsieht, dass ihn seine Kreativität zum Nichts-Fertigbringen verurteilt, wie sollte er sich ändern?! Er muss auf die Gnade hoffen. Erfolg ist nicht schlecht. Erfolg diszipliniert als selbstverstärkender Prozess. Aber dem Erfolg steht das Chaos entgegen. Der -- ach Gott, wer kennt ihn nicht: CIRCULUS VITIOSUS. Und wieder sind wir bei der Gnade.
Am Ende jedenfalls sollte der, der nichts Fertig macht und dabei ständig gegen sich selbst kämpft, eines klar sehen: Die klug herumbramarbasierenden Zeitmanagement-Ratgeber, die sollte er gleich zu dem Müll schmeisen, den er so gerne sammelt,weil seine Phantasie ihm sagt, dass man aus allem was Wichtiges machen könnte. Je nun -- und sich dann entschließen, diesen Müll zu entsorgen.

Donnerstag, 20. März 2008

Mittwoch, 19. März 2008

Die Bundeskanzlerin in Israel

Wenn man nicht aufpasst, versäumt man was. A. M. in Israel. Natürlich wird berichtet, aber es ist ein Ereignis unter anderen. Gut so, kann man sagen. Normalität ist da nur von Vorteil Dabei ist es doch: das große ANDERE.
Berichte in der Süddeutschen. Sehr angetan in Ton und Inhalt. Dazu: dass die Palästinenser, Hamas und Abbas (wie sich das reimt!) mal einhellig gegen Merkels Israel-Politik sind. Ich kommt auf eine recht alte Überlegung...
ACHTUNG! DAS FOLGENDE STEHT UNTER
SUBJEKTIVITÄTSVORBEHALT!
Heißt: Ich frage mich schon selbst, wieso ich so instinktiv auf Seiten Israels stehe. Ist es nur wegen der deutschen Un-Geschichte? Oder sind die folgenden Einlassungen in großen Teilen vernünftig?
Mein Gefühl sagt mir, dass aus politischer Correctness -- wir wissen, was gemeint ist, wenn wir dieses englische Wort verwenden, nicht wahr? -- abendländische Sichtweisen niemals klar ausgesprochen werden. Ich will einmal versuchen, die Dinge auszusprechen.

1. Ob die Israelis "das Recht haben", auf diesem Küstenstreifen des Mittelmeers einen Staat zu haben, ist eine historisch extrem knifflige Frage.

Anmerkungen dazu: Wann verliert ein Volk sein Recht auf ein Land? Natürlich können die Palästinenser nichts dafür, dass die Römer 70 nach Christus Jerusalem mitsamt dem jüdischen Tempel zerstören und nur eine Mauer, die der Klage, stehenlassen. Natürlich können die Palästineser auch nichts dafür, dass nach dem Bar-Kochba-Aufstand, so um 135 nach Christus unter dem Kaiser Hadrian die Juden gekreuzigt und vertrieben werden. Allerdings: das jüdische Volk hält eine Diaspora von knapp 2.000 Jahren und den abschließenden Holocaust durch, ohne seine Identität und seine Erinnerung zu verlieren. Man sollte sich und anderen aber immer wieder einmal bewusst machen, dass die Identität der größte Antrieb ist, politische und historische Rechte durchzusetzen. Die Palästinenser verhalten sich da mit keinen Deut anders als die Israelis. Und es gibt so etwas wie eine geheimnisvolle Ehrfurcht vor der Leistung der Juden, ihre Identität gegen alle Pogrome der Geschichte zu bewahren.

2. Welche Haltungen und Verhaltensweisen der Palästinenser verursachen im Westen die größten Akzeptanz-Probleme, wenn es um "die Sache der Palästinenser" geht?
Da geht es nicht um einen einzigen Punkt, sondern um eine Liste.
a) Die permanente Mischung aus Weinerlichkeit und faktischer Schwäche auf der einen und aggressiver Gewalt- und Waffen- verliebtheit auf der anderen Seite.
Das Bild der Palästinenser in der Weltöffentlichkeitkeit ist geprägt von Fernsehbildern. Wie sollte es auch anders sein. (Jeder vernünftige Mensch weiß, dass das nur ein Bruchteil der Wirklichkeit ist. Es gibt einen palästinensichen Alltag, indem Gastfreundschaft und normales Geldverdienen das Wichtigste sind. Aber das sieht man nicht als Manifestation im Fernsehen.)
Was sehen wir im Fernsehen? Menschen, die in einer gestörten Weise auf laute, öffentliche und kindliche Gewalt vertrauen. Mit Freude wird herumgeballert und Kinder und Jugendliche üben sich im Steinewerfen und finden das heldenhaft. Die Bilder zeigen ein Volk, das auf Gewalt setzt. Auf eine Gewalt, die nichts bringt, außer der unmittelbaren Selbstbefriedigung der eigenen Gewaltphantasien zu dienen. Ein Volk aber, das in der Öffentlichkeit dasteht als schwach und und über seine Unterdrücktheit jammernd und gleich darauf als gewaltverliebt und faktisch gewalttätig gibt ein schlechtes und ein nicht selten ein lächerliches Bild ab.
b) Die Palästinenser haben zu wenig politische Selbstdisziplin. Das ist eine Umschreibung dafür, dass sie offenbar nicht akzeptieren können, wenn ein anderer politisch gewinnt. Und dass es offenbar keine obersten Instanzen gibt, ein oberstes Gericht beispielsweise, dass als Autorität anerkannt ist. Hamas und PLO unversöhnlich gegeneinander. Und überall gleich das Geballere als Lösungsversuch.
c) Es gibt unter Palästinenser zu wenig wirtschaftliche Disziplin. Wirtschaftliche Disziplin ist eine sehr umfangreiches Thema. Ein erfolgreiches Unternehmen ist eine Ansammlung an Disziplin-Punkten. Forschung, Entwicklung, Fertigung, Vertrieb, usw.
d) Für wirtschaftlichen Erfolg braucht ein Volk Kreativität. Wenn die Palästinenser auf Feldern arbeiten und Bewässerungsssteme entwickeln würden, wenn sie überhaupt wirtschaftlich was Konkurrenzfähiges auf die Beine stellen würden, dann wären sie nicht von der ziemlich demütigenden Alimentierung der UN und der Europäer abhängig. Völker, die wie selbstverständlich einklagen, dass es ihnen schlecht geht und dass sie einfach quasi immer und naturrechtlich ein Anrecht auf Unterstützung der anderen Nationen haben, werden zwar irgendwie schlecht und recht durchgefüttert, aber wirklich anerkannt sind sie nicht.
[ Wird fortgesetzt ]
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Hasta la VISTA, baby...!

Über Windows Vista ist nun wirklich genug gespottet, gelästert und geklagt worden. Noch eine Schmähung? Nein. Aber zwei kleine Kagen.

Erstens. Ich hole aus der Bibliothek eine CHRONIK DER WELTGESCHICHTE 3.0. Um mal zu sehen, wie die aufgebaut ist und sie mir, wenn das Urteil positiv ausfällt, in der Version 6.0 irgendwo zu kaufen. Wieder ist es mal soweit: Das für XP geschneiderte Programm, das die Chronik sichtbar machen könnte, läuft unter Vista nicht.
Nun denn. Ist es zuviel verlangt, wenn man von der Firma Microsoft erwartet, dass sie eine, eine einzige Stufe abwärtskompatibel bleibt? Und sei es durch einen Workaround, der die Programm einfach auf Vista aufgesetzt laufen lässt... Nein, es ist nicht zuviel verlangt.

Zweitens. Ich versuche einen Link vom Desktop in einen Ordner auf dem Desktop zu verschieben. Daraufhin meldet sich das Betriebssystem minutenlang mit dieser Meldung:

Es sollen mal gerade, wie man lesen kann, 954 Bytes in einen Unterordner verschoben werden, und man kann diese Operation wahrhaftig nicht als außergewöhnlich bezeichnen. Aber dieses Verschieben dauert am Ende 2 Minuten.

Sonntag, 16. März 2008

Impressum, Stalker und die Meinungsfreiheit

In einem SPIEGEL-Sonderheft über das neue Web auch die Feststellung, dass es a) Impressumspflicht für Blogs gibt und dass dies b) Stalker, andere Durchgeknallte und im Zweifelsfall einfach extrem unhöfliche Zeitgenossen einlädt, unter dem Deckmäntelchen der Anonymität zu drohen, zu pöbeln und zu beleidigen. Ja nun. Eines der neuen Probleme des Internet-Zeitalters.
Und was jene Lehrerin angeht, die jetzt unter dem Zeichen der Meinungsfreiheit und gerichtlich bestätigt, ertragen muss, dass ihre Schüler sie im Internet beurteilen: Ich gäbe dem Gericht durchaus recht, wenn -- ja wenn ebenfalls mit vollem Namen oder doch leicht erkennbar alle sich von allen beurteilen lassen müssen. Als da, Minimum, sind:
  • die SchülerInnen
  • die Schulleiter
  • die Eltern der Schüler
  • die Bildungspolitiker als einzelne, nicht als Gruppen
  • und schließlich Richter, Staatsanwälte und Anwälte

Bis es soweit ist, frage ich einmal höflich: Warum eigentlich nur LehrerInnen? Haben die anderen kein Recht auf freie Meinung? Und: Wo kommen wir da eigentlich hin?

Oder konkreter: Darf ich also unter dem Zeichen der Meinungsfreiheit eine Website aufmachen, in der Richter unter Nennung ihres Namens und Dienstortes mit ihren Urteilen beurteilt werden?

Was den Unterschied macht: die konkrete Person! Nicht Kollegien, Urteile usw. werden genannt, sondern Einzelne. Das ist das Problem. Ich finde schon, dass da die Meinungsfreiheit als Prangersynonym herhält.

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Nachtrag: Auf eine kurze Anfrage teilt mir die Pressestelle des OLG Köln mit "Sie können das von Ihnen gesuchte Urteil des OLG Köln, Az. 15 U 142/07 in der "Rechtsprechungsdatenbank NRW" unter der Adresse http://www.justiz.nrw.de/RB/nrwe2/index.php leicht im Volltext recherchieren."

Abgekürzt lesen wir hier nach.

OK. Lesen wir also mal nach. Bei Gelegenheit mehr.

Donnerstag, 13. März 2008

Bayern München 1 gegen Pro 7, 0:0

Die zweite Halbzeit des Spiels Bayern gegen Anderlecht, so ab der 5o Minute, glaube ich. Natürlich ist das Spiel so enttäuschend, dass man sich fragt, ob es eine Tiefenpsychologie des Fußballs verantwortlich ist oder das Fehlen von Luca Toni.
Das Verrückteste aber: dass sich da ein Fußballreporter über eine gefühlte 1/2 Stunde mit dem nicht spielenden, neben ihm sitzenden Schweinsteiger unterhält, als säße er, der Reporter, zu Hause auf dem Sofa und interessiere sich nicht für das Spiel, sondern für seinen erstaunlichen Gast. Ein fortwährendes Brabbelgequassel mit Prophezeiübungen jeglicher Art, während vor unseren Augen ein unkommentiertes Fußballspiel dahinsiecht. Am Schluss interessiert das Spiel den Fernsehsender so wenig, dass der Reporter und "Schweini" auch im Bild gezeigt werden. Es ist nicht auszuhalten!
Überlegung: Hat Bayern vielleicht deshalb so gespielt, weil der Kommentator von Pro 7 so daneben war? Gibt es da geheime tiefenpsychologische Verbindungen, die wir noch nicht kennen?
Oder um es anders zu sagen: als Fußballkommentator war der Mann ein [...]*, und Pro 7 hat, dazu passend, den Ehrgeiz, sich als exemplraisches Dummrian-Fernsehen zu stabilisieren. Die Preisfrage war, glaube ich mich zu erinnern: Wie der Präsident von Bayern München heißt, Beckenbauer oder Kroos.
Wir warten. Wann kommt bei den allgemeinen Pro-7-Nachrichten die vorgeschaltete Preisfrage:
--
"Wie heißt die gegenwärtige Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland?
a) Angela Merkel oder
b) Franz Beckenbauer"
--
Was Sie vielleicht nicht bedenken, wenn Sie da anrufen: Ihr Anruf kostet Sie 50 Cent. Sie können 1000 Euro gewinnen. Wenn Sie extrem viel Glück haben. Die Chancen sstehen 1:30.000, und Pro 7 gewinnt aber an dieser Frage 15.000 Euro durch die Anrufer, die nicht gewinnen.
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* Das Attribut nehmen wir mal raus.

Autofahren

Ich fahre gestern zwischen 20 und 22 Uhr von Innsbruck nach München. Sehr windig, in Österreich dazu Regen. Nach der Grenze dann besseres Wetter, aber weiter Wind. Natürlich viele Laster, an manchen Stellen in zwei Spuren.
Was auffällt: Ich fahre mit einem kleinen Peugeot 107 zwischen 130 und 160. Und - ich kann es heute noch nicht glauben: Ich werde von kaum einem Auto überholt. Kann es einen Abend geben, bei dem die Extremraser zu Hause bleiben? Und wenn ja, warum?

Dienstag, 11. März 2008

Ask.com

So einfach ist es mit dem Suchmaschinen-Machen also doch nicht. Ask.com möchte mitmachen. Die Ergebnisse sind, google-relativ, mager, und es gibt Seltsames. Beispielsweise kennt das Programm manchmal Umlaute, mal nicht. "Lankkarten Stereich" - "Ä-stereich" - "Österreich", alles da.




Männer, Staubsauger und Sex

Erstens: Das Folgende steht nicht in der BILD-Zeitung, sondern in der Süddeutschen. Zweitens: Das ist keine statistische Pseudorealation, vergleichbar der Steigerung der Geburten in Schweden im Gleichschritt mit der Zunahme der Störche-Ansiedlung eben dort. Oder was dergleichen mehr in Statistik-Büchern gerne angeführt wird, um zu erläutern, dass Korrelationen zufällig entstehen können und also auch mit dem gesunden Menschenverstand geprüft werden müssen.
Die Meldung nun also:

"Im Haushalt helfende Männer haben einer US-Studie zufolge ein besseres Sexualleben. Es gebe einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anteil an der Hausarbeit und beispielsweise der Häufigkeit von Sex, sagte der Co-Autor der Studie, Scott Coltrane, der Nachrichtenagentur AFP.
'Allgemein gesagt: Je mehr die Männer Hausarbeiten übernehmen, desto glücklicher sind die Frauen.' Dies schlage sich dann auch beim Sex nieder, betonte der Soziologe von der Riverside-Universität in Kalifornien."
Also, die Begründung klingt überzeugend. Siehe letzten Absatz.
Und ich gebe zu, dass ich beim ersten Blick auf diese SZ-Meldung ein wenig erschrocken bin. Ich dachte nämlich, hier greift die Süddeutsche eine alte Meldung auf, die der SPIEGEL in seiner Rubrik des Skurrilen gerne bringt. Dass nämlich ein paar Männer gerne den Staubsauger für's Onanieren und also als eher merkwürdigen Vagina-Ersatz verwenden. (Vielleicht aber eine besondere Form des Fetischismus. Wer blickt da schon so richtig durch.)

Samstag, 8. März 2008

Hi, Maggie!



Wo also war das noch mal? Und wie hieß der Film? Was bedeutet er?

Fehler und - was war das?

Das mädchen tanzt erotisch. er wird massiert. Er hat auf einmal eine Pistole in der Hand. Sie wird zu einer virtuosen Kämpferin, so nach Wund-Eastern-Manier, mit Durch-die-Luft-fliegen und allem Drum und Dran. Youtube zeigt es -- gleich.

Mittwoch, 5. März 2008

Kritik der Kritik. Oder. Netiquette. Wie ist das eigentlich?

Fund unten. Und Frage: Sollte man jemanden in Sachen Sprache kritisieren. Oder Rechtschreibfehler anmerken? Ich glaube nicht. Wir sollten froh sein, wenn Menschen schreiben und sich trauen zu schreiben. Es gibt überall Profis und Normalos. Und natürlich jede Menge Leute zwischendrin. Aber hat es Sinn, über jemanden zu lachen, der nicht gut einparken kann? Oder sollte man nicht sagen: "Schau! Du kannst Auto fahren. Das können viele nicht." Und überhaupt -- allenthalben Definitionen verlangen! Wenn wir so anfangen, können wir die Kommunikation gleich einstellen! Was verstehst du unter Seele, Anfänger oder am Ende -- warum nicht? -- Pinsel?
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letzte Woche habe ich in HH die Ausstellung von C.-D. Friedrich besucht. War schön und interessant aber total überlaufen. Besonders interessant fand ich seine Skizzen, ganz einfache Dinge wie Steine, Bäume, Figuren u.s.w. Daraus hat er im Atelie seine Motive, meistens Landschaften zusamengefügt. d.h. seine Landschaften existieren nicht real, sondern sind zusammengefügte Fantasielandschaften. Ein Spruch von ihm ist mir noch erhalten geblieben, den ich hier frei wiedergebe:"Der Maler sollte dass malen was er zwischen sich selbst und der Natur sieht,sieht er nichts dazwischen, so unterlasse er auch zu malen."Vielleicht sollte manch ein Anfänger, der hier Bilder veröffentlicht, sich fragen, befor er zum Pinsel greift - ist da was zu sehen in seiner Seele?
Amtwort von Iris:
Ich freue mich für Dich, dass Du letzte Woche die C.D.Friedrich Ausstellung besucht hast. Offenbar hat es Dich über das Maß beeindruckt.Warum gleich noch mal sollte sich mancher Anfänger fragen, befor (ich nehme an, Du meintest "bevor") er zum Pinsel greift - ist da was zu sehen in seiner Seele?" In wessen Seele? Der von dem Anfänger oder der von C.D. Friedrich? Hier kommt es auf die ganz genaue Verwendung des Wortes "seiner" und "meiner" an. Erklär es mir doch bitte noch einmal. Vielen Dank im Voraus.Mit der Seele, das ist so eine Sache. Was ist die Seele überhaupt? Und, noch viel wichtiger ist die folgende Frage: Was oder besser wer genau ist ein Anfänger? LGIris

Dienstag, 26. Februar 2008

Journalmistmus

Das finde ich am Wegesrand:
"[...] Ebenso wenig wie ein Zitronenfalter tatsächlich Zitronen faltet, ist ein Blogger gleich ein Journalist zu nennen, genauso wenig wie aus einem Webdesigner gleich ein Autor wird, nur weil er mal die Chance bekommen hat, über eine Software ein Buch zu publizieren. Wir befinden uns wohl gerade in einer Art Winterloch."
Die Quelle lassen wir mal ausnahmsweise beiseite. (Findet ja eh jeder, der will.) Dafür die Frage: Woher der Drang des Menschen anderen die Kompetenz abzusprechen oder, schlichter: andere runterzumachen?* Und noch dazu mit verqueren Vergleichen! Ich jedenfalls, der ich gerade einen Blog schreibe, möchte um Himmels willen nicht mit einem Journalisten verwechselt werden.
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Nein, ich bin da auch kein Engel. Schon klar. Aber es gibt halt eine Typenstufung auch im Kritisieren. (Die "Menge aller Kritiker der Kritiker die selbst Kritiker ist" ist natürlich eine Menge ohne Ausnahmen. Wer es genauer mag, vertiefe sich in Bertrand Russells Typentheorie.)

Emanzipation und GFK

Erst mal das: GFK heißt hier nicht "Gesellschaft für Konsumforschung".* Es handelt sich vielmehr um ein Buch, das die "Rumpf- und Bauteileherstellung in Flugmodellbau" zum Thema hat. Die Abkürzung steht mithin für "Glasfaserverstärkter Kunststoff".

Das Buch, um das es geht, ermöglicht es laut einer Amazon-Renzension, eine "fehlerfreie GFK-Form" für den Modellbau herzustellen. Wie auch immer. Hier geht es um was anderes, nämlich um das Umschlagbild, das so beschrieben werden kann:

Etwas fülliger Enddreißiger, der wegen Glatze älter wirkt, erläutert junger, blonder Frau zeigefingerzeigend, wie es geht.

Der weiterführende Gedanke, der nicht von männlicher Unterstützung der weiblichen Emanzipationsbewegung, sondern einfach vom Lust am Gedankenspiel zeugt: Was wäre, wenn es mal umgekehrt zu sehen wäre und also die Blondine dem Mann das Entsprechende zeigt? Vielleicht wär's unrealistisch, aber irgendwie wär's auch prickelnder.

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* Soviel Gründlichkeit muss einfach sein: Daneben kann GFK noch stehen für

-- Genfer Flüchtlingskonvention
-- Gemeinschaft zur Förderung der Krankenpflege
-- Gesellschaft zur Förderung von Kinderbetreuung

Samstag, 23. Februar 2008

Plagiate: Der Fall Ströker

Dass abgeschrieben wird in der Wissenschaft und sonstwo, das geht immer wieder mal durch die Presse. Tannöd kam jüngst vor den Kadi. Schuldlos-Spruch. Studierende, auch Professoren kupfern ab. Selten aber ist der Fall so abstrus wie im Fall der Professorin Elisabeth Ströker, Köln. Besonders eigenartig, dass die Aufdeckerin offenbar härter bestraft wurde als die Plagiatorin. Immerhin wurde über die Sache bemerkenswert wenig geredet seinerzeit. Ein Fall erfolgreichen Kölner Krisen-Managements. Aber aus der Welt bekommt man so was in Zeiten des Internets natürlich nie mehr.
Es sei nicht verschwiegen, dass man es auch anders lesen kann:

"... Ähnlich erging es der Kölner Philosophin Elisabeth Ströker 1990, gegen die durch ungerechtfertigte Plagiat-Vorwürfe und mit Hilfe der Medien bis vor kurzem ein regelrechter Vernichtungszug stattgefunden hat."

Das ist nur aus einem Abstract, und man hätte es gerne genauer. (Persönliche Anmerkung: Ich besitze das Buch von Marion Soreth, und es ist mir vollkommen schleierhaft, was da ungerechtfertigt sein soll. Natürlich: De mortuis nihil nisi bene. Na gut. Sehen wir die Sache sine ira et studio.)

Der Fall Ströker / Soreth [ 1 ] und [ 2 ]. Und direkt mit weiteren Verweisen [ 3 ]..

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[ Alle Einträge zum Fall Ströker in diesem Blog. ]

Mittwoch, 20. Februar 2008

Geisteswissenschaftler-Riesen

Manchmal tut's schon weh, wenn man die geisteswissenschaftliche Geistesriesen-Originalität sieht:

Matthias Heine weist auf eine fatale Konsequenz hin, die das Ende des gedruckten Brockhaus mit sich bringt: Wir können den Wissensstand einer Epoche nicht mehr nachvollziehen. 'Bei Wikipedia ist der Wissenstand von vor fünf Jahren längst millionenfach überschrieben und modifiziert worden.' Die Lösung könnte sein, dass der gesamte Datenbestand eines Online-Nachschlagewerks regel- mäßig zu einem bestimmten Zeitpunkt gespeichert wird. Wikipedia gibt es ja tatsächlich auch schon auf CD-Rom zu kaufen - naturgemäß in einer Version, die gegenüber derjenigen im Netz veraltet ist, aber für künftige Historiker ein willkommenes Geschenk. (spiegel.de)

Wissensstand einer Epoche! Geht es nicht noch größer? Und die Epoche als solche wird definiert durch die Neuerscheinung des Brockhaus?

Wenn der Herr Heine eine solche Stufung des Wissens den Historikern hinterlassen will, dann kann er 100 Euro für eine 500-GB-Festplatte anlegen und eine Gesamtkopie von Wikipedia mit irgendeinem Spider darauf aufzeichnen. Täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich, 5-jährlich, ... Ganz wie beliebt. Und er kann, was der Brockhaus sicherlich nicht ermöglich hat, jede Komma-Änderung im work in progress mit aufzeichnen. Das ist ein Fest! Eher was für Linguisten als für Historiker. Aber immerhin.

Gangsta Rap in der ZEIT

Wären doch die Dinge nicht so verdammt kompliziert!

Gedanke 1: Im ZEIT MAGAZIN Nr. 6 /2008 wird über Yvette, 14, "mehrfach angezeigt wegen Beleidiguung, Diebstahl und Körperverletzung" mit vielen Bildern berichtet. Durchaus mit Symapthie der Journalistin für das "wilde Mädchen". Wer schafft schon als normaler Jugendlicher so viel Popularität? Asozial zu sein scheint sich zu lohnen.

Gedanke 2: Es ist immer so. Das abweichende Verhalten interessiert. Extreme: Über Mörder wird eben eher geschrieben als über biedere Durchschnittsmenschen.

Gedanke 3: Mehrfachbezüge, wenn über einen Mörder geschrieben wird und dann zwei sich streiten, wie die Rechtelage ist. "Das Münchener Landgericht befasst sich seit heute mit den Plagiatsvorwürfen im Fall des Bestsellers 'Tannöd'. Hat die Autorin Andrea Maria Schenkel für ihren Erfolgskrimi abgeschrieben? Der Journalist Peter Leuschner beschuldigt die Schriftstellerin, für ihren Krimi aus seinem Buch "Der Mordfall Hinterkaifeck" abgekupfert zu haben." Auch das steht in der ZEIT.

Amelia Earhart

Nein, ich kannte bis heute Amelia Eearhart nicht. Auch nicht den Film mit Diane Keaton, The final flight. Dabei bin ich doch SPIEGEL-Leser. So kann's gehen.

Steueroasen und -paradiese

Liechtenstein beklagt sich, und der Kommentator der SZ Nicolas Richter keilt kenntnnisreich und formulierungstechnisch brillant zurück. Auszüge:
"Der Erbprinz redete sich nach langem Schweigen in eine Rage, die im zwischenstaatlichen Verhältnis ungewöhnlich ist. Deutschland solle sich lieber um sein erbärmliches Steuersystem kümmern, als den Zwergstaat zu attackieren. Ja, für ihre Straftaten seien die Deutschen selbst verantwortlich. Was er nicht sagt: Das System Liechtenstein hat diese Taten ermöglicht und daraus jahrelang Profit gezogen, weswegen der Fall Zumwinkel auch ein Fall Vaduz ist. Ermittlungsrichter aus ganz Europa beklagen es seit Jahren: Das Fürstentum verdient an dem Geld, das anderen Staaten auf kriminelle Weise abhanden kommt, indem es die Täter und deren Vermögen abschottet."
"In Liechtenstein heißt es oft, dies sei eben der Wettbewerb der Steuersysteme. Schon möglich, aber der Kleinstaat bietet ja nicht nur niedrige Steuersätze, sondern auch die Verschleierungsdienste: Er betreibt obskure Stiftungssysteme und verweigert Rechtshilfe bei Verdacht der Steuerhinterziehung. Hier also von fairem Wettbewerb zu sprechen, ist so, als wolle ein Sprinter mit einem Einbeinigen den Wettlauf üben." Natürlich greifen Politiker in den großen europäischen Staaten diese Missstände nur dann auf, wenn es ihnen gerade passt. Mächtige in Deutschland oder Frankreich haben von den Steuerparadiesen ja selbst lange genug profitiert. In nahezu allen Parteispendenaffären verschwindet Geld in jenen Ländern, deren Versteckkünste bei diesen Gelegenheiten natürlich sehr willkommen sind. Nutznießer dieser Oasen sind auch Europas Exportkonzerne, die ihr Bestechungsgeld für korrupte Regime über Banksysteme à la Liechtenstein leiten."
"Es ist skurril, dass Liechtenstein von Europa profitiert, sich aber andererseits das Recht herausnimmt, ein solch verbreitetes Delikt wie Steuerhinterziehung zu einer Art Freizeitvergnügen zu erklären."
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr.43, Mittwoch, den 20. Februar 2008, Seite 4
Im Radio, Sender Bayern2, werden sinnvollerweise auch gleich die anderen Steuerparadiese vorgestellt, damit es nicht so aussieht, als sei Liechtenstein allein. So sehe ich mich genötigt, die Cayman-Inseln in der Karte zu suchen, und ich sehe, dass Wikipedia die "Steueroasen" fein säuberlich auflistet. Ist das nicht prima?! (Ich wollte einen Google Maps Ausschnitt hochladen; aber das funktioniert im Moment nicht. Nun denn -- die CI liegen Kuba vorgelagert, Richtung Honduras, nicht Richtung Miami.)
Dann kommt eine Sendung in Bayern2, aus der klar wird, dass der soeben sich verabschiedende Fidel in Kuba nicht der feine Revolutionär ist, sondern sein Volk gelegentlich auch prima und mit allen Mitteln der revolutionären Kunst unterdrücken konnte. Wieviel vernetzte Informationen auf einmal! Ich liebe es! Das Internet. (Natürlich auch die anderen Medien.)

Sonntag, 17. Februar 2008

Hilfe-Anfrage: T-COM

Natürlich versuchen Firmen Kundenanfragen zu minimieren. Dennoch gehört eine vernünftige Help-Line zu einer wichtigen Grundausstattung von Unternehmen, die etwas auf sich halten. Ich versuche es mal mit ein paar Anfragen. Nicht fingierte, sondern ernst gemeint. Etwa so:

"Grüß Gott! Ich habe gestern das Telefon T-Com Concept P412 gekauft. Trotz intensiven Suchens habe ich nicht die Möglichkeit gefunden, im Nummernspeicher direkt Nummern zu speichern -- das direkteste, normalste Verfahren, wie ich finde. Statt dessen sollen die Nummern von Anruflisten gespeichert werden. Habe ich in der Gebrauchsanweisung doch was übersehen?"

Samstag, 16. Februar 2008

'Steuerehrlichkeit'

Ein paar Anmerkungen zur sogenannten 'Steuerehrlichkeit': Vorab rufen wir ein englisches und ins Deutsche übertragenes Sprichwort in Erinnerung. "Nothing succeeds like success. = Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg." Gefolgt von "Shit happens." Frei zu übersetzen mit: "Dumm gelaufen." Heben wir das Ganze auf eine intellektuell einigermaßen anspruchsvolle Stufe. Das -- pardon -- Bescheißen der anderen ist doch gesellschaftliches Prinzip. Ein Prinzip mit fließenden Übergängen natürlich.
Beispielsweise heute morgen, ich suche nach "Vilshofen Gschwendtner". Ja, den scheidenden Bürgermeister. Und was wird mit gesagt: Ich -- ich ausgerechnet! -- sei der 999.999ste Besucher! (Hier. Allerdings: welchselnde Werbebanner.) Und kann natürlich was gewinnen. Jemanden für dumm verkaufen heißt sowas in der Welt der Redewendungen. Die Geschäftswelt sieht da höchstens einen Fehler: Dass das nicht sonderlich neu und damit nicht originell ist. Eine Verfehlung? I wo!
Von hier an könnten wir jetzt Gschichterln sammeln, wie die Schlauen die Ehrlichen übers Ohr gehauen haben und das für ein Zeichen ihrer Cleverness gehalten haben. Und sie haben das gemacht ganz ohne Zumwinkeladvokaten*.
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* Für einen Moment dachte ich wirklich, ich sei der erste, dem dieses Wortspiel einfällt. Natürlich: Pustekuchen!

Donnerstag, 14. Februar 2008

fuori muri

Ich bin auf der Suche nach einer Seite, in der "fuori muri" vorkommt. So kommen schöne Funde zustande!

"KROMERIZ é un nome indubbiamente di origine slava; significa qualcuno che era famoso anche fuori il proprio paese e fuori la propria tribú. Nel periodo dell´Imperodi Grande Moravia nel 9 secolo dopo Cristo esistóqui il posto di un castello slavo, che custodí un incrocio importante vicino al guado del fiume Moravia.
[...]
Il castello devastato non permetté neanche un soggiorno d´emmergenza; il vescovo ebbela sede in un palazzo della capitula. Comunque giá l´anno successivo alla sua nomina cominciarono fuori muri i lavori su un grande giardino in stile italiano che chiamó Libosad e che oggi é chiamato il Giardino di fiori.La sua costruzione duró dieci anni a richiedé la spesa enorme di 75 mila ducati.
[...]

Moravia, da können wir weitermachen. Lesen wir mal wieder Alberto Moravia! Und besuchen wir dann im Sommer Kromeriz. Oder Kroměříž. Oder Kremsier. Ganz nach Belieben.

Mittwoch, 13. Februar 2008

IKB-Bank -- die Finanzfachleute?

"Milliarden-Notkredit für marode IKB-Bank" heißt die Meldung vom 12.02.2008.

Da fragen wir uns doch: Was sind das für Fachleute, die so was hinkriegen? Das mit dem Geldverbrennen, meine ich. Dürfen wir da nicht das Recht ableiten, uns über die Finanzfachleute im Allgemeinen und ihr präpotentes Getue mal wieder kaputtzulachen?

Und ich habe da eine Idee. Es muss immer mehr Geld nachgeschossen werden, weil sonst die Kreditlinien brechen und andere Banken mit in den Strudel gerissen werden? Da sollte eine Änderung her. Das Stichwort heißt: Sollbruchstellen! Bei den Kreditlinien wird von Beginn an festgelegt, wo dieses Kredit-Domino eine Lücke haben muss. Bis dahin fallen dann die Banken. Und von da an -- nicht mehr. Ein Versicherungsproblem der großen Storte, gewiss. Aber doch nicht unlösbar. Für wahre Finanzfachleute!
Ach ja, und warum nicht: Die Fachleute und Großmanager bekommen ihre Verträge nur noch, wenn sie mit einem erheblichen Teil ihres Privatvermögens haften. Dann würden nämlich die Neidgefühle bei den Normalos ein Gutteil weniger sein. Das Problem ist ja, dass die Leute wissen, was die Manager denken: "Ich geh ja eh ohne Verlust ins Rettungsboot, wenn ich das Geldschiff an den Eisberg gesteuert und versenkt habe."
Nachtrag am Valentinstag, 14.02.208, 9:29: Das Radio meldet den ganzen Morgen über, dass Klaus Zuwinkel die Staatsanwälte sehr konkret auf dem Hals hat. Hausdurchsuchung. Verdacht der Steuerhinterziehung via Liechtenstein. Jetzt werde ich neugierig. Das ist eine ganz neue Haftungslage via Privatvermögen. Und es interessiert mich, wie die Politiker zu dieser Frage stehen. "Sollten Spitzenmanager für Verluste, die in ihrer Zeit anfallen, mit einem bestimmten Anteil ihres Privatvermögens haften, so, dass die 'Bezüge im Erfolgsfall' von der Höhe der 'Privathaftung in Prozent' abhängig sind?"

Samstag, 2. Februar 2008

Bernd Eichinger, Lothar Mathäus und ich

Der politische Roman von heute könnte -- müsste als Ich-Erzählung und dann so beginnen:
"Wenn man wissen will, wie das Gehirn eines Schrifstellers tickt, ist die folgende Begebenheit recht lehrreich.
Nun denn, ich schlafe, wie so mancher ernsthafte Schriftsteller, schlecht. Nicht immer, aber oft. Unter dieser Schlaflosigkeit kann man leiden oder einfach, wenn es wieder soweit ist, kurz nach 4 am Morgen aufstehen. Wenn dann der Zeitungsbote schon die Süddeutsche in den Postkasten gesteckt hat, ist man als Schrifsteller und Mensch dankbar und macht sich einen wie üblich sehr starken Kaffee. Dann beginnt man in seinem zerschlissenen Ledersessel die Zeitungslektüre. Das Streiflicht wie meist, nein: fast immer eigentlich, zuerst. Wie Karnevalsmuffel leben und überleben. Nun, der Schriftsteller hat sich schon mal mehr über ein Streiflicht amüsiert. Aber, Gott -- gut ist die Rubrik allemal.
Aber dann -- prasselnde Nachrichten und Berichte am Morgen: Die Politik. Afghanistan und die Forderungen von Gates, nicht Bill, sondern US-Verteidigungminister, dass die Deutschen mal wieder schießen könnten. Nach Jahren historisch bedingter Zurückhaltung. (Schießen verlernt ein Volk doch ebensowenig wie der Einzelmensch das Fahrradfahren' , schwingt da still mit. Ontogenetisch besehen, sozusagen.) Das leichtere Fach: Britney Spears als Ballett-Vorbild. Nun gut. Mike Paterson und Uri Zwick, Informatiker ihres Zeichens, berechnen die Überhangmöglichkeit von Stapeln. Dann natürlich: Microsoft kauft Yahoo und tritt gegen Google an. Will kaufen, um genau zu sein. Was daraus wohl wird?
Die Suche nach Paterson und Zwick bei den beiden Diensten geht jedenfalls -- heute morgen -- eindeutig zugunsten von Google aus. (ungefähr 1.820 für Mike Paterson Uri Zwick. (0,18 Sekunden, sagt Google, während Yahoo vermeldet: Wir konnten keine Ergebnisse zu Mike Paterson Uri Zwick finden. Kann man mit den dynamischen Links [1] und [2] ausprobieren. Das Ergebnis kann sich natürlich ändern, mit der Zeit und mit Microsoft im Rücken.)
Aber dann, die Meldung des Morgens! "Die Gesichter des Baader Meinhof Komplexes. Ein erster Blick auf die Besetzung von Bernd Eichingers Kino-Adaption der RAF-Geschichte." Schon die Bilder lassen den Schriftsteller erschaudern! Die RAF-Gesichter und ihre Schauspieler-Doubles. Immer pärchenweise.
Und dann das dazu. O-Ton Eichinger: "Man kann ja alles mögliche sagen. [...] Ich meine das ohne jede moralische Wertung - aber charismatisch waren diese Leute schon."
Schriftsteller werden immer wieder einmal in der Volkshochschule gefragt, woher sie ihre Phantasie nehmen. Die Schriftsteller sind dann immer etwas hilflos. 'Die Phantasie ist doch das Normalste von der Welt!' denken sie still. 'Woher soll die schon kommen? Sie ist einfach da. Nimm eine Meldung aus der Zeitung und mache sie konkret. Was gibt es Leichteres?' (Dass das Konkrete dann stimmig bleibt, das zu schaffen ist nicht einfach; aber einfach erst mal eine Zeitungsmeldung zu konkretisieren, sodass da sofort eine Geschichte daraus wird, das ist doch nicht schwer.)
Nun also, ich habe ja noch was gelesen, vorhin. " Lothar Matthäus, 46, Ex-Fußballprofi, hat sich von seiner Freundin Liliana, 20, getrennt. 'Wir sind nicht mehr zusammen', sagte er zu BILD. 'In aller Freundschaft", habe man die Beziehung beendet, erklärt er. Als Grund gaben L&L an, sie hätten zu wenig Zeit füreinander, die Trennung sei also "eine Vernunftentscheidung". Matthäus, der ab Sommer wieder als Trainer arbeiten will, hatte das Model im letzten Jahr auf dem Münchner Oktoberfest kennengelernt. Ja, da schau her! Von seiner dritten Ehefrau Marijana, 36, lebt er getrennt." (Bei Focus gibt es Infos aus der Sicht des Mädchens L., mit Bild.)
Nun stelle ich mir auf einmal vor, ich hätte Lothar Mathäus als Pressesprecher. Was für eine grandiose Vorstellung! Aber doch nicht schwer herzustellen, oder? Wie alle Pressesprecher hat er an internen Diskussionen meiner multplen Ichs teilgenommen und muss nun die Erkenntnisse dieses Gremiums, meine Ansicht also, für die Presse in eigenen Worten wiedergeben.
Herr Mathäus würde also sagen: "Ja -- Herr D. ist der Meinung, glaubt -- dass Herr Eichinger alles will --, was öffentlich in den Köpfen ist. Er ist auf Berühmtheit fixiert. Ob die Berühmtheit durch Leistungen oder durch Quatsch zustande gekommen ist, ist dem Bernd nicht so wichtig. Oder, nein. Der Quatsch ist dem Bernd lieber. Er ist ein Anhänger -- da hab ich mir eine Notiz gemacht. Ja, also -- der Bernd ist so ein Anhänger des Heros -- strates."
Der Vorteil ist, wenn mein Pressesprecher Lothar M. das sagt, dass da in BILD eine kurze Meldung auftaucht. Und -- ich habe ja nichts dagegen, dass BILD mich zitiert. Ohne Lothar würde ich das nie schaffen.
Ich fasse meine Ansicht aber zur Sicherheit doch besser noch einmal mit meinen eigenen Worten zusammen. Wir haben hier eine hochbedeutende Offenlegung des Begriffs Charisma, so wie ihn Eichinger und anverwandte Seelen, also die Medien-Erfolgreichen des Landes, verstehen.* Politisch verquere Schreihälse erreichen die Medien, nehmen die Medien für sich ein, steigern sich in was hinein, hier: den "bewaffneten Kampf". Die Medien-Brüder, die allesamt auch gerne mehr aufregende reality erleben würden, berichten weiter, immer weiter. Machen jede auch noch so depperte Steigerung mit. Wäre Schleyer, wären viele andere nicht noch am Leben, wenn Baader nicht auf einmal gesehen hätte, dass er, dümmlich-arrogant, ohne Ausbildung und nur sendungsbewusst, wie er nun mal war, doch noch einen Zipfel der bürgerlichen Berühmtheit erlangen kann? Mit rigid-dümmlicher Arroganz. Wenn die Zeitungen und das Fernsehen mal beschlossen hätten, dass man nicht allen sendungsewussten Dumpfbacken die Öffentlichkeit verschaffen muss, die sie so hemmungslos suchen, wie wäre das Ganze damals ausgegangen? (Wer diese Steigerung und das damalige Drama aus einem anderen Blickwinkel sehen will, kann das tun. Es gibt ja Kurt Oesterles Buch "Stammheim". Warum hat dieses Buch nur ein paar erstklassige Rezensionen nach sich gezogen und nicht den Blick auf die Zeit damals und auf Eichingers Darlings vollkommen verändert?!) Wie auch immer -- diese 'Charismatiker* waren nur deshalb keine selbsternannten Revolutionäre, weil die Medien ihnen seinerzeit so blitzschnell die publizistischen Ernennungsurkunde überreicht haben. Ja, manchmal glaube ich, dass selbst Aust so einer aus der Riege derer war -- und ist --, die die Realityshow zu sehr lieben und also den Schreiern der Firma BM Charisma zugestanden und also medial verschafft haben."
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* Wobei ja durchaus bemerkenswert ist, dass Bernd Eichinger rein äußerlich gesehen als ein still-introvertierter, mit leichten Artikulationsproblemen behafteter Berufsjugendlicher daherkommt. Dass er das geworden ist, was er heute ist, trotzdem, das zeigt schon Leistung. Vielleicht ja sogar CHARISMA.