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Mittwoch, 25. November 2015

Der Amtsschimmel wiehert! ...

... (Und trägt Hakenkreuz)

Aus dem Gedächtnis:* Da gab es doch den Fall einer türkischen Frau, der Hakenkreuze aufs Auto gesprüht wurden. Als sie mit dem Auto zur Polizei fuhr, wurde sie von der Polizei verklagt, weil sie mit verfassungsfeindlichen Zeichen durch die Gegend kutschiert sei.

Jetzt der Amtsschimmel von Schilda zum Zweiten:

Ralf Bender ist Lehrer im hessischen Limburg, ein politischer Mensch, rechtschaffen und ein friedfertiger Aktivist gegen rechts. Dieser Mann versteht jetzt die Welt nicht mehr. Bender war in der Osterzeit 2013 auf eigene Faust gegen Hakenkreuz-Schmierereien in der Nähe zweier Schulen vorgegangen, notgedrungen, sagt er; auf diese Tatsache legt er großen Wert. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder hatte er die Stadt auf die Sudelei in der Nähe zweier Schulen hingewiesen und gebeten, sie zu entfernen. Doch die Stadt reagierte nicht. Bender ergriff also die Initiative, nahm eine Spraydose und übersprühte die Hakenkreuze an Straßenschildern mit schwarzer Farbe. | Daraufhin wurde die Stadt auch aktiv: Sie verlangte von Bender knapp 1000 Euro für die Reinigung, verklagte ihn beim Amtsgericht und bekam recht. Der Sozialpädagoge zog vor das Landgericht, das nun die Berufung verwarf und befand, Bender müsse die Reinigungskosten bezahlen. Die Juristen betonten, dass sie den Einsatz gegen Nazi-Schmierereien keineswegs verwerflich fänden, im Gegenteil. Aber in der Sache gehe es um die Kosten, die sich Bender womöglich hätte ersparen können, wenn er die NS-Symbole exakt überklebt statt übersprüht hatte. | Bender weiß nicht, was er empörender finden soll - das Vorgehen der Stadt Limburg oder die Urteile der Gerichte mitsamt des Hinweises auf weniger riskante Entfernungsmethoden. "Das ist doch ein Witz", sagt der Pädagoge, eine "völlig weltfremde Vorstellung", dass man diese Symbole im Ausmaß von je 20 Zentimeter Höhe und Breite einfach hätte überkleben können. (Süddeutsche)

Gibt es bei Stadtverwaltungen und bei der Polizei eigentlich niemand, der sowas wie gesunden Menschenverstand besitzt? Und wenn schon Paragraphenreiter unterwegs sind -- könnten die zur Abwechslung nicht die Stadt Limburg anzeigen, wegen Untätigkeit im Amt im Zusammenhang mit verfassungsfeindlichen Symbolen?

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* Ich hab es doch rausgesucht: "Opfer von Hakenkreuz-Geschmiere droht Anzeige Doppelt bestraft: Jemand sprüht ein Hakenkreuz auf ihren Mercedes. Die Türkin fährt damit zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Auf der Wache sagt man ihr, dass sie damit eine Straftat beging."

Dienstag, 24. November 2015

NY -- Urban vagrants

Über einen Artikel in der Süddeutschen von heute, komme ich auf diese Seite.

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In his letter, Mullins notes that while cops are prohibited from taking pictures of members of the public while on duty, “photos may be taken while traveling to and from work or any time off duty.”

“Our friends, family and members of the public are free to take photos as they see fit,” he adds.

Mullins said he was responding to the past two years of “failed policies, more homeless encampments on city streets, a 10 percent increase in homicides, and the diminishing of our hard-earned and well-deserved public perception of the safest large city in America.”

He blasted the flurry of pending City Council legislation involving the NYPD, including the Right to Know Act, which would require cops to get permission from a suspect before conducting a search without probable cause for arrest.


This vagrant, whose picture was taken by cops posted on the Sergeants Benevolent Association’s Flickr account, was identified as Preston King, a former Wall Street power player. 
Photo: Sergeant Benevolent Association Flickr

"huahh,wasn das?"

Es sagt K., dieser Bildungsbürger mit Doktortitel: "Kann sich ein Politiker bei dem Teil des Volkes lächerlich machen, das den Hauptschulabschluss nicht geschafft hat, aber meint, sich öffentlich äußern zu müssen? Oder führt sich da der Teil des Volkes selbst vor. Das Forum Dschungelkämp für Schulversager sozusagen."

Er fügt ein Beispiel bei:

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Am 23. November 2015 um 20:54 von talbote
der gequollene käse quillt weiter-dasistterrorggbürger

".....von dem eine gewisse gefahr ausgehen soll.........."
-----------------huahh,wasn das?
und da "lag etwas , was wie ein sprengstoffgürtel aussah"......ja wasn nu,wars en sprengstoffgürtel odder ned ?

und dafür steht die ganze stadt still ?

ja, gehts noch ?

fürchte fast die bürger machen dem staat noch nicht den gefallen und drehen durch.

kost noch eh weng mehr arbeit und panikmache?

sollte der bürger doch vernünftiger sein ,als ich dachte ?
da wär ja mal ne nachricht.

"panikpolitiker machen sich beim volk lächerlich"

ich glaubs bald.

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Nachtrag: 25.11.2015 -- Nun denn, ich habe nachgesehen. Diese Meinung kommt mitnichten von einem Menschen ohne Hauptschulabschluss. Sondern von einem fränkischen Gymnasiasten ("ned" = fränkische Auslautverhär_d_ung!), der seine Nachrichten von LeFloyd, dem Berühmten, bezieht. Oder war es gar LeFloyd selbst, der sich einfach ein wenig verstellt hat?

Montag, 23. November 2015

"Herr Wendland -- " Fast ohne ...

... Worte meinerseits.

"Kassierer-Sänger Wolfgang "Wölfi" Wendland, 53, sagte am Freitag: 'Mich hat sehr gestört, dass Herr Naidoo gesetzt ist.' Der Musiker und Satiriker ist auch für politische Aktionen bekannt. Bei der Bundestagswahl 2005 war er für die "Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands" (APPD) angetreten. Im September hatte er für das Amt des Bochumer Oberbürgermeisters kandidiert - er landete mit 7,9 Prozent der Stimmen knapp hinter der Grünen-Kandidatin auf Rang vier. Der Mann mit dem prägnanten Bierbauch tritt gern auch mal splitternackt auf."

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Nachtrag (24.11.2015) -- Ok, einige Worte doch: Wenn ich mir das Bild des Herrn Wendland, nackter Bierbauch mit Bierflasche in der Hand, on stage, auf SPIEGEL Online so ansehe, dann kommt doch ein gewisses mittelschweres Unwohlsein in mir hoch. Er soll Deutschland vertreten!? Ja, ich habe mit diesem Contest wenig am Hut, sehe ihn aber aus Solidarität mit meiner Tochter. Und mir graust davor einen auf offener Bühne biersaufenden 'Satiriker' aus Deutschland da zu sehen. Und dann im Hintergrund das ständige: Germany - zero points.

Sonntag, 22. November 2015

Linkspopulismus -- gibt es den?

Jede politische Richtung, Partei oder Nicht-Partei, bedient die Vorurteile derer, die sich dieser Richtung nahefühlen. So weit, so gut. Warum gibt es dann -- dachte ich jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt -- dann Rechtspopulisten und keine Linkspopulisten? Weil Linkspopulisten in den Medien erfolgreicher sind und ihren Standpunkt als den normalen hinstellen, um dann die anderen als Angehörige der 'Stammtische' und als Rechtspopulisten hinzustellen?

Aber siehe da, es gibt den Begriff Linkspopulisten! Der Begriff hat sogar einen Dudeneintrag und einen Wikipedia-Artikel!

Allerdings gibt es noch das hier: "Was ist Populismus? – Warum es keinen 'Linkspopulismus' gibt
Geschrieben am 11. Mai 2014 von Evariste".

Die Perspektive der Terroristen einnehmen?

So steht es da:

"Philosoph Habermas um offene Gesellschaft in Frankreich besorgt || 12.57 Uhr: Der Frankfurter Philosoph Jürgen Habermas zeigt sich besorgt, dass Frankreich unter dem Eindruck der Pariser Terroranschläge seine Liberalität verlieren könnte. 'Die Zivilgesellschaft muss sich davor hüten, alle demokratischen Tugenden einer offenen Gesellschaft auf dem Altar der Sicherheit zu opfern', sagte Habermas in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Tageszeitung 'Le Monde'. Dazu gehörten auch die Toleranz gegenüber anderen Lebensweisen und die Bereitschaft, die Perspektive des Anderen einzunehmen." (Focus)

Ich möchte den Herrn Philosophen H. sehen, wenn er ein Kind, einen Enkel, einen nahen Verwandten in Paris verloren hätte! Immer diese feierlich-salbadernde Philosophen-Verteidigung der Freiheit. Nie um Worte verlegen. Wie die Pfarrer früher. Nur halt -- aufgeklärt und schön sachlich. 

By the way, "die Toleranz gegenüber anderen Lebensweisen und die Bereitschaft, die Perspektive des Anderen einzunehmen". Wie ist das gemeint? Sollen wir die Perspektive der Terroristen einnehmen, um dann für sie Verständnis zu haben?

Heuteshow: Ohne jedes Taktgefühl

Ich habe gestern versucht, nachgeholt die Heuteshow vom vergangenen Freitag anzusehen. Nach ca. 5 Minuten bin ich gegangen, während der Rest der Truppe blieb. 

Witzeleien über die Anschläge in Paris. Nicht direkt, sondern über Reporter, den Innenminister, usw. Dass auch ein Innenminister in einer solchen Situation mal nicht die ausgesuchteste Formulierung parat hat -- kein Verständnis auf Seiten der Politikwächter. Dass Gott erbarme, diese Strenge der Witzeverwalter.

Keinerlei Taktgefühl. Es ist -- nun ja, zum Davonlaufen. Wenn die eigene Sucht zum Witzeln mit allen Beteiligten durchgeht. Und allen voran natürlich "Frontmann" Welke, dessen Grinsen angesichts der Toten in Paris --  finde jeder sein passendes Attribut. Ich will mich da nicht abmühen.

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Was ich gar nicht mitbekommen hatte: Das ZDF hat die Heuteshow auch mal ausfallen lassen? Nur um dann genau eine Woche später mit solchen Blödigkeiten daherzukommen?

Freitag, 20. November 2015

Der Trickbetrug und die Rechtschreibung

Es ist immer sehr gefährlich, auf die Fehler anderer hinzuweisen! Da lesen wir beispielsweise:

Mann lenkt Frau an Automat ab und stiehlt deren Bargeld | WAZ.de

Im Forum allerlei Meldungen. Unter anderem diese sehr einfühlsame Meinung (19.11.2015, 13:38) von der fee1978 | #11

Wie doof kann man eigentlich sein, sich am Geldautomaten, so ablenken zu lassen??? Wenn mir da einer zu Nahe kommt, breche ich meinen Vorgang doch ab!!! Und ob man den Typen noch findet, ist auch fraglich, denn weiss man denn ob der Typ in Bochum oder so gemeldet ist??? Manchmal frage ich mich echt, wie dumm manche Menschen sein können..... Dummheit muss bestraft werden...

Und so geht es weiter, bis hin zu dem Kommentar von Frank_Czerniak | #4:

Eine Super schnelle Strafverfolgung,Die Tat passierte im September jetzt wird nach dem Täter öffentlich gesucht.Schließlich haben wir in Deutschland "Täterschutz". Meiner Meinung handelt es sich hierbei um Strafvereitelung im Amt

Also, ich fand diese Meinung gar nicht so schlecht formuliert. Nicht so aber ...! 

Bei ihrer Rechtschreibschwäche würde ich keine peinlichen Vermutungen kundtun.

Wenn haufe nun noch Ihrer [groß] Rechtschreibschwäche geschrieben hätte?

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Und welche Fehler habe ich nun gemacht? Mal abgesehen von dem, das alles hier so breit zu zitieren.

Montag, 16. November 2015

Großer und kleiner Terror ...

... und die Versuche zu verstehen. Was sind die Gründe, Zusammenhänge? Wo beginnt der Wahnsinn, wo endet unser Verstehen innerer Welten? Verzeihen wir, wenn wir verstehen?

So eine Meldung, eben gelesen:

16. November 2015, 12:41 Uhr | Familiendrama | 16-Jährige ersticht ihren Vater || [...] Ein 16-jähriges Mädchen hat im ostwestfälischen Vlotho mit einem Messer auf seine Eltern eingestochen und den Vater getötet. Das meldet das Westfalen-Blatt. Die Mutter wurde bei dem Angriff in der Nacht zum Montag lebensgefährlich verletzt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Polizeibeamte hätten die Jugendliche festgenommen. Warum sie auf ihre Eltern losging, ist noch nicht bekannt. | Die elfjährige Schwester soll dem Bericht zufolge noch versucht haben, das Mädchen zu stoppen, indem sie ihr eine Flasche auf den Kopf schlug. Dabei wurde die 16-Jährige verletzt. Nachbarn alarmierten Feuerwehr und Polizei. | Der 59-jährige Vater starb den Ermittlern zufolge noch in der Wohnung an seinen Verletzungen, die Mutter kam in ein Krankenhaus. Eine Mordkommission der Polizei in Bielefeld ermittelt.

Erving Goffman

Man kann allen, die sich über die Welt und die Menschen manchmal Gedanken machen, eine Lektüre empfehlen. Lesen (oder: mal wieder lesen):

Erving Goffman: Wir alle spielen Theater. (Übers. von: The Presentation of Self in Everyday Life. 1959)

Wer keine Zeit hat: eine -- ich glaube, nicht immer ganz zutreffende -- Inhaltsangabe gibt es hier.

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Erving Goffman (11 June 1922 – 19 November 1982), a Canadian-born sociologist and writer, was considered "the most influential American sociologist of the twentieth century". In 2007 he was listed by The Times Higher Education Guide as the sixth most-cited author in the humanities and social sciences, behind Anthony Giddens and ahead of Jürgen Habermas. (Wikipedia)

SPD-Innenexperte Lischka meldet sich zu Wort

Solche Meldungen jetzt:

+++ 14:01 SPD-Innenexperte: Islamistenszene stärker überwachen +++ || Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka fordert eine effizientere Überwachung der Islamisten-Szene. Besorgniserregend sei, dass nach den bisherigen Ermittlungen zumindest einer der Paris-Attentäter den Behörden als Radikaler bereits bekannt gewesen sei. In Deutschland werden um die 1000 Personen dem islamistisch-terroristischen Spektrum zugeordnet, darunter gelten 420 als besonders gefährlich. (n-tv)

Wohlfeile Worte. Aber gleichzeitig hört man ja, dass die Überwachung der Szene extrem aufwendig sei und dass es darum nicht wirklich gelingen könne, alle, die als gefährlich gelten, wirklich zu überwachen. Es muss auch gar nicht erst betont werden: Es kommen die Rechtsextremen dazu. Die Linksextremen, die in den 1970er Jahren die Gefährlichen waren, haben sich offenbar für den Moment im Großen und Ganzen beruhigt. Was erst, wenn die auch wieder aufwachen?

Manchmal ist es gut, sich zunächst zu seiner Ratlosigkeit zu bekennen, und dann kann man ein wirkliches brain storming beginnen. Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Und welche Konsequenzen haben die ins Auge gefassten Maßnahmen wahrscheinlich? Sicherheit und Freiheit werden sich als absolute Gegensätze erweisen. Soviel scheint klar zu sein. 

Sonntag, 15. November 2015

Halloween's End: The Eagles of Death Metal

Es ist halt doch ein großer Unterschied, in Halloween-Manier mit dem Band-Namen vom Tod zu schwadronieren oder den Tod in der Realität zu erleben. Und vielleicht dann als großes Band-Mitglied doch einmal von einem Querschläger getroffen zu werden.

Eagles of Death Metal kommen nicht nach Zürich | 15. NOVEMBER 2015 - 13:46 | Die kalifornische Rockband Eagles of Death Metal hat ihre Europa-Tournee abgebrochen. Alle Auftritte der Tournee, die sie am 18. November nach Zürich führen und am 10. Dezember in Portugal enden sollte, wurden nach einer Mitteilung vom Wochenende abgesagt.

Soll man daraus einen Vorwurf machen? Ach nein. Schwadronieren ist nicht verboten. Aber angenehm für den Beobachter ist es halt auch nicht.

Samstag, 14. November 2015

Der Terrorismus wird ...

... eine neue Gesellschaft im Westen erzwingen. 

Warum?

Ich habe versucht, mich durch die Spiegel-Online-Kommentare zu einem Kommentar von Roland Nelles ("Terroristen: Sie werden diesen Kampf verlieren") zu lesen. Dieser Kommentar wurde eingestelle: Samstag, 14.11.2015 – 11:31 Uhr.

Darunter das Forum: Im Moment (16:09) "insgesamt 625 Beiträge, Seite 1 von 125, beginnend mit

1. Der Elefant im Raum | bestrosi heute, 11:45 Uhr | Herr Nelles, Sie haben etwas vergessen: den Islam. Man kann sich natürlich weiterhin wegducken, wie es jetzt der Zentralrat macht. Herr Masyek und Co. werden wieder beteuern, dass der Terror "gar nichts mit dem Islam zu tun habe". Aber irgendwann muss man einmal aufwachen und die totalitären Züge dieser Lehre sehen. Die allermeisten Muslime sind friedlich und normale Bürger - dies vor allem, weil sie den Islam durchdenken und offen halten. Und weil sie sich nicht davon ihr ganzes Leben diktieren lassen. Der wichtigste Kampf gegen den Islamismus (der Teil des Islam ist!) findet auf geistiger Ebene statt.

Was ich noch nicht in dem Kommentar und in den Forumsbeiträgen gelesen habe, ist dies: Diese Auseinandersetzung mit dem Terrorismus -- jeglichem Terrorismus, nicht nur dem islamistischen -- ist unter den bestehenden Verhältnissen nicht zu gewinnen. Warum? Schauen wir uns diese kleine Meldung einmal an:

Francois Duchateau | Eine Air-France-Maschine durfte in Amsterdam nicht starten, nachdem ein Drohtweet abgeschickt wurde #ParisAttacks telegraaf.nl/article/247421…

Es gibt kaum etwas Einfacheres, als irgendwo auf der Welt ein Handy zu nehmen und so eine Drohung durchzutelefonieren. Telefonüberwachung? Gut, aber was nützt die, bei der allumfassenden Verbreitung des Smartphones? Und es kann ja auch ein ganz unsmartes, einfaches Ding sein, 10 Jahre alt. Wenn der Terrorismus im Normalfall diese extrem preisgünstige und leicht verfügbare Form der Attacke wählt und nur zwei, drei mal im Jahr tatsächlich blutig zuschlägt, dann ist ein Leben, wie wir es gewohnt sind, nicht mehr möglich. Dann muss entschieden werden: Entweder die Überwachung der Gesellschaft in einer ganz neuen, umfassenden Art oder ein Leben mit der Gewalt. Keine Gesellschaft, auch nicht die moderne, die über die eine Meldung zu der nächsten geht, wird sich für ein Leben mit der Gewalt entscheiden. Also wird, auch wenn die Datenschutz-Empfindsamen noch so laut schreien, die Überwachung immer mehr zunehmen.
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Und es wird wieder behauptet werden, dass man gegen geheimdienstliche Überwachung sein kann oder muss, aber dennoch die herkömmliche Freiheit haben kann. Die kleine Rückfrage wird notwendig sein: Wie soll das gehen? Es verschlüsselt doch nicht nur Herr K. seine Mails, wenn er nicht möchte, dass eine Frau von seiner Geliebten erfährt, sondern auch der Terrorist L., wenn er möchte, dass der Geheimdienst nicht mitlesen kann.
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Erste Bestätigung der These, in eine zusätzliche Richtung: Beginnende gesellschaftliche Hysterie. Unvermeidlich. (15.11.2015 -- 12:49):

+++ 10:58 Nerven liegen blank: Immer wieder falscher Alarm +++ || Die Nerven in Paris liegen nach den Anschlägen blank: Nervöse Bürger alarmieren immer wieder die Polizei, weil sie Explosionen zu hören glauben oder Männer mit Kalaschnikow gesehen zu haben. Letztlich erweisen sich die Warnungen als unbegründet oder als harmlose Böller oder geplatzte Reifen. "Verbreitet nicht und leitet keine falschen Informationen oder falschen Gerüchte weiter", bat die Pariser Polizei im Internetdienst Twitter die Bürger. (n-tv)
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Nächste Bestätigung (16.11.2015 11:13):

Berlin-Charlottenburg | Nach doppeltem Bombenverdacht: Entwarnung am Kudamm | 10:56 Uhr || Von Martin Pfaffenzeller und Martin Niewendick  Wegen eines verdächtigen Elektronikgerätes vor dem Institut Français ist der Kurfürstendamm auf Höhe der Uhlandstraße gesperrt gewesen. Zuvor war der Kudamm auf Höhe der Joachimsthaler Straße wegen eines verdächtigen Koffers weiträumig abgeriegelt gewesen. || Es handelte sich wohl um einen CD- oder DVD-Player. Das Institut befindet sich am Kurfürstendamm Ecke Uhlandstraße. Wenig später kam die Entwarnung und die Sperrung wurde aufgehoben. (Tagesspiegel)

Wie viel an Arbeitszeit und damit Geld wird für solche Fehlalarme in Zukunft aufgewendet werden müssen? Welche andere Einsätze der Polizei und der Verbrechensprävention werden auf diese Weise verhindert?

Ja, alles hängt mit allem zusammen.

Freitag, 13. November 2015

Enthauptungen. Medienwirksam?

Wie enthauptet man auf diese besondere Weise? Was bedeutet in folgenden Zusammenhang eigentlich 'medienwirksam'? Ist das nicht ein  ziemlich nichtssagendes Wort hier?

Auch die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) führt medienwirksam Enthauptungen durch, wie bei zwei amerikanischen Journalisten und zwei Briten, einem Flüchtlings- und einem Entwicklungshelfer im Sommer und Herbst 2014. (Wikipedia)

Es wird darüber berichtet, ok. Warum wird darüber mehr berichtet, als, sagen wir, über Erschießungen? Weil diese Täter solcherlei ins Netz stellen. Weil andere Menschen, sei es aus Sensationsgier, sei es wegen einer allgemeinen Abstumpfung, sich so etwas ansehen. Und manche törnt so eine Enthauptung so sehr an, dass sie aufbrechen, um zu kämpfen. Es werden diesen Leuten, die so gar nicht funny sind, funny names gegeben. "Dschihadi John" zum Beispiel. Und dann, ein Blitz, und sie sind tot.

Am Ende immer die Frage: Was ist der Mensch?

Dann der Blick über die Gegenwart hinaus ...

Könnte man das Folgende ins Arabische übersetzen und den Herren vom IS zur Lektüre empfehlen?

--

Andreas Gryphius

Menschliches Elende

Was sind wir Menschen doch! Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen,
Ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit,
Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid,
Ein bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen.

Dies Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen.
Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid
Und in das Totenbuch der großen Sterblichkeit
Längst eingeschrieben sind, sind uns aus Sinn und Herzen.

Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt
Und wie ein Strom verscheußt, den keine Macht aufhält,
So muss auch unser Nam, Lob, Ehr und Ruhm verschwinden.

Was itzund Atem holt, muss mit der Luft entfliehn,
Was nach uns kommen wird, wird uns ins Grab nachziehn.
Was sag ich? Wir vergehn wie Rauch von starken Winden.

(1637)

Donnerstag, 12. November 2015

BILD - WELT - GOOGLE NEWS

Ich benutze gerne Google News. Ich nehme auch Werbung in Maßen auf der Seite der Zeitungen in Kauf. Aber wenn jetzt BILD und WELT gleich sagen, man möge doch bitte abonnieren, dann will ich das nicht. Ich möchte beide Zeitungen von der Suche ausschließen können. Das geht bei der Suchmaschine Google mit

-site:bild.de news gabriel flüchtlinge

ganz gut, mit GN aber nicht. Es wird Zeit, dass sich was tut.

Minister Gabriels Welt. *staun*

Manchmal staune ich schon, wie Politiker denken und argumentieren. Dass man die "Schlepper" ausschalten könnte, indem man die Flüchtlinge gleich selbst und ordnungsgemäß per Schiff und Flugzeug ins Land holt, daran habe ich ja auch schon gedacht, im August. Aber doch nur, um zu zeigen, dass der Schlepper-Gedankengang verlogen ist: Diese sogenannten Schlepper bedienen eine Nachfrage, und dass sie überzogene Preise verlangen, das hat mit der Illegalität zu tun. Man könnte, das andere Beispiel, vieles an Kriminalität zum Verschwinden bringen, indem man die Rauschgiftsüchtigen samt und sonders als wirklich Kranke behandelt, und das Kokain und Heroin vom Arzt verschreiben und von der Krankenkasse bezahlen lässt.

Nun aber:

SPD-Chef zur Flüchtlingskrise | Sigmar Gabriel will "große Kontingente" nach Europa holen || SPD-Variante der "geordneten Zuwanderung": Sigmar Gabriel fordert, Deutschland und seine Partner müssten in eigener Regie Flüchtlinge nach Europa holen, um Schleppern das Handwerk zu legen. (Tagesspiegel)

Also, wie gesagt -- da staune ich nun wirklich! Glaubt denn der Minister Gabriel wirklich, dass damit Schlepperei und Zuwanderung auch nur ein wenig weniger würde? Es kann doch jeder Mensch ohne jede Spezialausbildung und politische Erfahrung leicht voraussagen, dass dann die Kontingente ohne Schlepper kämen und die restlichen, die keinen Platz bekommen haben, die kämen zusätzlich -- mit den Schleppern.

"Haben Sie dringende Darlehen benötigen !!!!!!!"

Warum werde ich, nachdem ich mich kurz geärgert habe, immer ganz weich, wenn ich so etwas wie das Folgende lese? Wahrscheinlich, weil mich das charmant-fehlerhafte Deutsch an Kinder denken lässt. Kinder mit einer aol-E-Mail-Adresse!

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Betreff: Haben Sie dringende Darlehen benötigen !!!!!!!
Datum: Thu, 12 Nov 2015 06:04:14 +0100
Von: Liberty Financial Firm Inc
Antwort an: amospedro@aol.com

Haben Sie dringende Darlehen benötigen !!!!!!! Bitte senden Sie Ihre
Anfrage an diese Adresse.
Kontakt: amospedro@aol.com

Name:
Land:
Zustand:
Darlehensbetrag:
Laufzeit des Darlehens:
Telefon:

Kontakt: amospedro@aol.com

Helmut Schmidt: Todeshumor

Von all dem, was sich mit dem Tod von Helmut Schmidt als Humor enttarnt, gefällt mir das am besten: "Ein Lotse geht von Bord".


Vom richtigen Umgang mit Einbrechern

Da dichtet mein Freud Alfred eine Meldung um. Er sagt, das sei Satire.

Erst mal die Meldung:

Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei dem 17-Jährigen um einen Serientäter, auf dessen Konto laut Polizei mehr als 200 ähnliche Delikte gehen. Ihm werden laut Hessenschau.de Dutzende Fahrraddiebstähle und Einbrüche zur Last gelegt. | "Er hätte der Einbrecher festhalten, aber nicht niederschlagen dürfen", sagte ein Polizeisprecher dem Portal. Das Gericht müsse nun entscheiden, ob er in Notwehr gehandelt habe. (SPIEGEL)

Dann die Dichtung:

Das Justizministerium gibt aus gegebenem Anlass bekannt: Wenn Sie einen Einbrecher in Ihrem Keller vorfinden, dann gilt: Bringen Sie durch gutes Zureden den Mann dazu, sich auf den Boden zu setzen. Dann den Einbrecher nur mit weichen Mullbinden fesseln, damit keine Aufschürfungen an den Handgelenken entstehen. Außerdem müssen Sie anschließend beruhigend auf den Mann einreden, bis die Polizei kommt und ihn wieder freilässt.

Mittwoch, 11. November 2015

Der politische Stimmungsbericht ...

... geht ungefähr so:

Die Koalition befindet sich zwar im Kommunikationschaos, aber das Signal ist bereits jetzt glasklar: Deutschland macht dicht. Wie die Kanzlerin dazu steht, das wissen wir nicht. Hat sie inzwischen auch die Sorge, dass die deutsche Hilfsbereitschaft und -fähigkeit an ihre Grenzen geraten ist? Allein im September ließen sich in der Bundesrepublik 85.000 Syrer, 18.000 Iraker und 19.000 Afghanen registrieren. Die Stimmung in den Erstaufnahmelagern und davor wird aggressiver. Tausende schlafen in Zelten, sie haben noch nicht mal einen Asylantrag gestellt. In der Union wächst die Sorge um die Mehrheit und vor der AfD. Und in der EU ist kaum jemand bereit, den Deutschen zu helfen. (ZEIT)

Ach, und was war noch mal mit den griechischen Schulden und der Hilfe nach Griechenland?

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Und der Leser FritztheDog schreibt dazu vor 4 Minuten:

Interessant ist auch, dass nun alle in Merkel die Ursache für die ~10000 Zuwanderer pro Tag sehen. Sie personifiziert zwar diese Bewegung, ursächlich haben aber die Medien die Stimmung kritiklos herbeigeschrieben. Die meisten Journalisten waren stolz auf der hellen Seite zu stehen und nicht mit den Pessimisten auf der dunkeln.

Jetzt versuchen sich die Jubeljournalisten aus der Verantwortung zu stehlen. Und anschließend wundern sich die Journalisten wieder über den Vertrauensschwund der Bevölkerung in Politik und staatstreue Medien.

Ich würde mir etwas mehr Berichterstattung und weniger Meinung wünschen. Gefühlt ist jeder 2. Artikel eine Kolumne, auch wenn er nicht als solcher gezeichnet wird.

giga.de und die sinnlosen Statistiken

Nun gut: mehr oder weniger sinnlose Statistiken. 

Das Thema Non-Response bzw. Antwortausfall in der Demoskopie hatte ich hier schon mal. Nun ein ein Spezialfall, dafür aber sehr konkret:

Ich möchte wissen, wie man mit Chrome Links per E-mail verschicken kann. Beim Handy und Tablett ist das ja einfach. Aber im Browser? Unter Chrome?

Ich schaue also nach. Die zweite Antwort, die ich als erste anklicke, steht bei giga.de. Doch die Seite möchte, bevor ich die Antwort bekomme, noch ein kleines Geschäft machen. Ich soll Auskunft geben zu einer Frage. Ach was, nein! Wenn ich nett bin gleich zu 8 Fragen! "Frage 1 von 8 oder weniger: Welche Deals-Website haben Sie in den letzten 12 Monaten genutzt?" Nun denn, eine einzelen Frage hätte ich beantwortet. Allerdings ohne jede ehrliche Absicht. Einfach die erste Möglichkeit anklicken, um weiterzukommen. Fertig. 



Was also besagen solche Umfragen, liebe Auftraggeber und Verwerter? So gut wie gar nichts! Das bitte immer im Gedächtnis behalten!

Und im übrigen verlasse ich die Seite giga.de ohne eine einzige Frage zu beantworten.

Ruhm und Tod

Drei Tote, unterschiedlichen Bekanntheitsgrades. Die Stufen:
  • Alle kennen ihn: Helmut Schmidt, Kanzler
  • Einige, die Interessierten, kennen ihn: André Glucksmann, Philosoph
  • Wenige = die Interessierten kennen ihn: Allen Toussaint, Pianist
Toussaint hat in der heutigen Süddeutschen einen kleinen Nachruf, S. 11, ganz unten, ganz rechts. 1-Spaltig, nicht sehr hoch. Links daneben: Glucksmann, 5 Spalten dieser Höhe. Mit Bild. Schmidt natürlich: die ersten Seiten sind voll von ihm und seinem Leben.

Wie unterschiedlich berühmt sind diese drei, in Deutschland? Die Lust an der Google-Quantifizierung solcher Fragen.

Schmidt, Kanzler: 572.000
Glucksmann, Philosoph: 249.000
Toussaint, Pianist: 199.000

Befund meinerseits: Erstaunlich, dass die Werte nicht weiter auseinanderliegen (sic).

Dienstag, 10. November 2015

Leben und L/leben lassen

Nein, so ernst ist das nun auch wieder nicht. Ein kleiner Fehler halt, aber dafür bei der FAZ.

Matthias Reim muss gesünder Leben | Nach einer schweren Herzmuskelentzündung ist Schlagerstar Matthias Reim („Verdammt, ich lieb Dich“) außer Lebensgefahr.


Das sind allerlei Wortspiele möglich.

"Ausgebranntes Auto in 1400 Meter Höhe"

Hier eine Meldung, die aufbewahrt zu werden verdient!

Oytal bei Oberstdorf: Rätsel um ausgebranntes Auto in 1400 Meter Höhe || [...] "Nur sehr schwer erreichbare Stelle" | In den Allgäuer Bergen ist ein ausgebrannter Smart entdeckt worden - an einer laut Ermittlern "nur sehr schwer erreichbaren Stelle". Der Fund gibt der Polizei gleich mehrere Rätsel auf. | Wem gehört das Auto? Wie kommt es in ein trockenes Bachbett in den Allgäuer Bergen auf etwa 1400 Meter Höhe? Warum geriet der Kleinwagen dort in Brand? Viele Fragen, auf die die Polizei bislang keine Antwort hat. | Ein Wanderer hatte am Sonntagabend den ausgebrannten Smart im Oytal bei Oberstdorf gefunden. Laut Polizei entdeckte der Mann den Kleinwagen an einer "nur sehr schwer erreichbaren Stelle". Die Ermittler suchten daraufhin die Umgebung des Autowracks ab, fanden aber weder einen Verletzten noch eine Leiche. | Inzwischen ist es der Polizei gelungen, die am Fahrzeug angebrachten und stark verbrannten Kennzeichen zu rekonstruieren. Diese seien jedoch nicht für diesen Smart, sondern für einen VW Golf ausgegeben worden, teilten die Ermittler mit. Die Kennzeichen wurden demnach Anfang November auf einem Parkplatz in Ulm gestohlen. Der letzte Eigentümer des Fahrzeuges ist ebenso unbekannt wie der letzte Nutzer. || Die Oberstdorfer Polizei sucht nun nach Zeugen des Vorfalls. Hinweise nimmt sie unter der Rufnummer 08322/96040 entgegen. (SPIEGEL)

Wie wird diese Geschichte weitergehen? Werden wir die Auflösung des Rätsels erfahren?

--

Meine Vermutung (nur so die Richtung): Da gibt es den alten Witz von dem toten Taucher in voller Montur, der auf 1.400 Meter Höhe an einem Berg gefunden wird ... In einer Variante: in einem Wald. Vielleicht wollte jemand diesen Witz nachspielen und toppen? Was braucht er dazu? Genau! Einen H...! Und wie lang liegt der Smart da schon? Jawohl. Seit der letzten Freinacht! ("Beliebt ist dabei zum Beispiel das Einwickeln von PKW mit Toilettenpapier, das Besprühen von Türklinken und Autos mit Rasierschaum oder das Verstecken von Dingen. Neben diesen harmlosen Streichen häufen sich in den Freinächten zunehmend auch Sachbeschädigungen und Vandalismus.")

Montag, 9. November 2015

Politische Theorie 2

Hauptseminar Politische Theorie 2. Folgender Fall steht zur Entscheidung an:

Der Staat Neuland besteht aus den Teilen NeuNeuland (1/3 der Bewohner) und NeuAltland (2/3). NeuNeuland möchte sich jetzt abspalten und ein eigener Staat werden. Wie lässt sich das -- sehr grob vorerst -- handhaben?
  • a) Beiden möchten es so. Kein Problem. Friedlich-schiedlich, wie einst Tschechien und die Slowakei.
  • b) NeuAltland will nicht. Oberstes Gericht verbietet. NeuNeuland akzeptiert. Schluss.
  • c) NeuAltland will nicht. Oberstes Gericht verbietet. NeuNeuland erkennt Gericht nicht an. Europa wird angerufen. Was soll das gute alte Europa dazu sagen?!
  • ...
  • ...
Zurück zur Realität:

Parlamentsabstimmung: Katalonien beschließt Fahrplan zur Unabhängigkeit || Mehr Artikel Katalanisches Parlament in Barcelona: Mehrheit für die UnabhängigkeitZur Großansicht || Katalonien will spätestens 2017 ein unabhängiger Staat sein. Eine entsprechende Resolution hat das Regionalparlament in Barcelona verabschiedet. Spaniens Ministerpräsident kündigt erbitterten Widerstand an.

Von Spaniens großen Parteien lehnt einzig die linke Podemos den Schulterschluss mit Rajoy ab. Diese spricht sich zwar für die Einheit des Landes aus, würde jedoch eigenen Angaben zufolge auch ein Referendum zur Unabhängigkeit Kataloniens mittragen. (SPIEGEL)

Und was ist, wenn Bayern da unbedingt nachfolgen möchte? Und dann sind die Franken dagegen und wollen bei Deutschland bleiben? Wie wird da abgestimmt? Und unter welchen Voraussetzungen?

Stimmt ganz Deutschland ab, ob Bayern weg darf, dann ist die Stimmung vielleicht: "Nur zu. Haut ab! Wir sind froh, dass wir euch los sind!"

Und wenn sich dann Bayern und Österreich zusammentun? Aufleben der Feindschaft gegen die Preiss'n. Der betagte Felix Mitterer schreibt eine ganze Piefke-Saga. Diesmal brutal einseitig-nationalistisch, im Sinne des bayerisch-österreichischen Hegemoniestrebens.

Wiki-pe-dià ... a-dee-ee-e! Ich muss geh'n.

(Nach dieser Melodie zu singen)

Das hatte ich bei einem vorausgehenden Posting an den Schluss gehängt. Einer spontanen Eingebung (ok, zu großes Wort) folgend, schneide ich jetzt aus und klebe hierher.
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In der Nacht wird mir auf einmal klar, dass ich das Schreiben in der WP einstellen sollte. Beim Aufstehen war dann klar: ... einstellen muss

Es hat so gut wie gar nichts mit dem da unten zu tun. Ich komme nur zu dem Schluss, dass ich zu viel Zeit in eine für mich recht nutzlose Sache investiere. Selbstkritisch: Nutzlos auch und vor allem deshalb, weil ich kein wirklicher Wikipedianer bin. Idealerweise verbindet der gute Wikipedia-Mitarbeiter (a) das große Arbeitspensum eines Karriere-Wissenschaftlers mit (b) dessen strikt auf Vorhandene eingeschränkten Denken (WP intern: "keine Theoriefindung!") und (c) den handfesten, interessen- und meinungsbestimmten Umgangsformen eines Politikers. All das bin ich nicht, das kann ich alles nicht. Trotzdem, es ist viel Zeit bei der Wikipedia, nicht beim Nachschauen, sondern beim Schreiben, hängengeblieben.

Meine eher versteckten, unauffälligen Abschiedszeilen auf meiner User-Seite: "Sei allem Abschied voran ..." (09.11.2015, 11:11)

BLOG: Zwischendurch ...

... noch mal:
____________ 

Dieser Blog ist 
ein öffentliches Notizbuch. 
____________ 

Flüchtlinge in Überschriften

So unterschiedlich kann man die Überschrift zu einer Meldung formulieren. Aus Google News herausgezogen:
  • Weihnachtsinsel: Flüchtlinge übernehmen australisches Lager (DIE WELT)
  • Weihnachtsinsel: Tumult in australischem Flüchtlingslager (SPIEGEL ONLINE)
  • Weihnachtsinsel: Flüchtlinge übernehmen Kontrolle in australischem ... (STERN)
  • Weihnachtsinsel: Aufstand in Flüchtlingslager (neues deutschland)
  • Nach Tod eines Häftlings - Australien: Heftige Ausschreitungen in Flüchtlingslager (Express.de)
  • Flüchtlinge zerstören Unterkunft (Hannoversche Allgemeine)
  • Nach Tod von Flüchtling: Chaos in australischem Haftlager (ORF.at)
  • Australiens umstrittene Internierungslager: Rebellion nach Tod eines Flüchtlings (euronews)
  • Schwere Tumulte in australischem Flüchtlingslager (ORF.at)
  • Australien: Tumult in Flüchtlingslager (zentral+)
So unterschiedlich klönnen die damit verbundenen Emotionen und Einschätzungen am Ende dann sein: Gewalt der / gegen Flüchtlinge, Unordnung, geheime Mächte, schlimme Unterbringung, ...

Samstag, 7. November 2015

Wikipedia-Forschungen 3: Wissenschaftsgläubigkeit

Eigentlich wollte ich das Folgende zur Diskussion Verschwörtungstheorie in der Wikipedia schreiben. Dann habe ich es bleiben lassen. Gehört ja tatsächlich streng genommen nicht zur Verbesserung des Artikels. Also nur ein kleiner Verweis dort und den Rest hierher übertragen.

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Ich bin hierher gekommen, weil ich heute, nach einigen Überlegungen und einigem Lesen zum Thema Verschwörungstheorie die Arbeitshypothese formuliert habe: 

Des einen Verschwörungstheorie ist 
des anderen vom 'Mainstream' unterdrückte Wahrheit

Analog dem alten Spruch: 'Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer.'"

Dann schaue ich hierher und finde gleich am Anfang dieser Diskussion was Einschlägiges, recht gut und nachdenklich Formuliertes. Auf das der User Phi, der alte Schwadorneur, antwortet routuniert:

"Gibt es denn einen wissenschaftlichen Beleg für deine Vermutungen? Wenn du dir das nur selber ausgedacht hast, muss es leider draußen bleiben."

Früher, heißt: vor 10 Jahren, wäre ich, wenn ich das mit dem 'wissenschaftlichen Beleg' und dem 'draußen bleiben müssen' gelesen hätte, nahe am Herzkasper gewesen; aber man gewöhnt sich an vieles, und man kann das Lesen und Schreiben in der Wikipedia ja auch als eine Art geistige Desensibilisierungsmaßnahme auffassen, auf dass die eigene emotionale Überempfindlichkeit gedämpft werde. In diesem Sinne nun also ...

Erst mal finde ich es erstaunlich, was der User Phi da an mir äußerst unangenehmer Herablassung in zwei einfach Sätzchen packen kann. Es kommt diese Form der Häme wohl aus der Ecke jener, die diese Abfolge witzig finden. 



Da können bestimmte Leute drüber lachen, über diese Analogie. Ich sehe darin eine Mischung aus kindisch und kindlich. Mehr nicht. Menschen, die solche Dinge witzig finden, meide ich im normalen Leben eher. Sie können ja ihren eigenen Stammtisch aufmachen. Von dem ich mich dann fernhalte.

Doch nun halbwegs ruhig und sachlich: Was mich immer wieder bass erstaunt, ist das, was man früher mal 'Wissenschaftsgläubigkeit' genannt hat. Die Wikipedia quillt davon über. (Was nicht heißt, dass nicht auch schon mal was Wissenschaftliches aussortiert wird, wenn es den eigenen Ansichten querkommt.)

Heute fällt mir auf die Sache mit dem wissenschaftlichen Beleg nur der Spruch ein: "Moment, ich fange morgen an, das entsprechende Buch zu schreiben. Der Beleg folgt dann in ca. 2 Monaten. Ist ja weiter nicht schwer, die Sache mit diesem Buch."

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Ein kleiner Veweis auf der WP-Diskussionsseite Verschwörungstheorie wurde blitzschnell und zur Gänze gelöscht. Jetzt schaue ich mal nach: Mein Beitrag gespeichert um 15:00 Gelöscht um 15:27 .

Auf meiner Benutzerseite finde ich folgenden Eintrag, auf den ich dann antworte:



Persönliche Animositäten

Bitte sei so gut und bringe deinen Blogbeitrag, in dem es wohl um eine Auseinandersetzung mit einem anderen Benutzer geht, nicht auf Artikeldiskussionsseiten unter. Dazu sind die entsprechenden Benutzerdiskussionsseiten viel besser geeignet. Herzliche Grüße --Alnilam Heute schon gelobt? 16:32, 7. Nov. 2015

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Na ja, das ist schön und freundlich formuliert, und da schmelze ich dann immer dahin und kann einfach nicht böse sein. Ein paar Anmerkungen hier aber doch, Alnilam: (1) Da ich ein Zitat von dieser DiskussionsseiteVerschwörungstheorie drin hatte (und das Zitierte da immer noch steht), waren die Anmerkungen auf jeden Fall einschlägig, denke ich. Als Kommentar zu dem Gesagten eben. (2) War es nicht mal gute Sitte in der WP, auf Diskussionsseiten auch schräge Beiträge -- zu denen ich diesen von mir nicht zähle -- stehenzulassen? Wenn schon gelöscht, dann vielleicht nach drei Tagen, aber doch nicht nach drei Minuten. (Nicht überprüft, das mit den Minuten. War zwischendurch Laub rechen.) (3) Der Verweis in den Blog, der ja nicht auf einer Artikel-Seite, sondern in einer Diskussion steht, war gerade dafür gedacht, dass da ein paar Dinge stehen, die nicht unmittelbar zum Thema Verschwörungstheorien gehören, im weiteren Sinne aber auf jeden Fall. Ich darf mich selbst zitieren: "Des einen Verschwörungstheorie ist des anderen vom 'Mainstream' unterdrückte Wahrheit." Das ist auf der einen Seite etwas zum Thema Wissens- und Wissenschaftstheorie, auf anderen aber direkt zu diesem Thema VT. Aber wie auch immer -- ich habe mir vor Jahren schon zur Devise gemacht, dass ich nicht zurück-zurücksetze. Wo kommen wir denn sonst hin! Vielleicht liest du dir dann doch als Gegenleistung meine Überlegungen zur Wikipedia, heute 1 - 2 - 3, auf meinem Blog durch. Natürlich keine Verpflichtung. In diesem Sinne ... 17:11, 7. Nov. 2015

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Und auch die Forsetzung sei nicht verschwiegen:

Oh, danke ich habe es bereits gelesen. Meine Meinung dazu behalte ich allerdings für mich. --Alnilam 17:14, 7. Nov. 2015

Das ist dein gutes Recht, für dich zu behalten, meine ich. Ich habe allerdings mal nachgesehen: Du entfernst offenbar generell gerne von Diskussionsseiten. Für zukünftige Sichtungen der WP-Entwicklung will ich hier festhalten: Das ist nicht gut für den Betriebsfrieden. Man kommt, wahrscheinlich nicht nur als Betroffener, unweigerlich auf den Gedanken, dass hier nicht-legitimierte Macht ausgeübt wird. --Delabarquera 17:39, 7. Nov. 2015

Wikipedia-Forschungen 2: Jesusfreund et al.

Ich hatte diese Wikipedia-Diskussion mit dem User Jesusfreund wirklich vollkommen vergessen. Ist ja auch schon eine Weile her. Gestern bin ich darauf gestoßen. Es ging um Martin Luthers anti-jüdische Schriften....


Also, ich kann mir nicht helfen: Das überzeugt mich nicht. Man kann doch mit dem Argument, eine bestimmte kritische Sicht einer Person würde den Neo-Nazis in die Hände spielen, nicht den eher schlichten, aber vernünftigen Gedanken und die entsprechenden Formulierungen ablehnen. Mir geht es darum zu sagen: Die Ablehnung der Juden hat eine lange Tradition, die uns heute sehr fremd vorkommen muss, die aber nach einer tieferen Erklärung verlangt. Solange man diese Erklärungen nicht gefunden und überzeugend formuliert hat, sollte man, meine ich, nicht das immer gültige und darum eben auch nichts-sagende Argument von der Zeitbedingtheit bemühen. --Delabarquera 26. Jun. 2009

Tja, mit philosophischen Allgemeinplätzen dieser Art leistest du keine Artikelverbesserung. "Zeitbedingt" ist im Kontext auf die damaligen Klischees bezogen, die Luther aus der katholischen Tradition übernahm. Das ist belegt. Um Kenntnisnahme der Belege kommt hier niemand herum, der nicht abstrakt herumschwurbeln, sondern mitarbeiten will. Für privates undefinierbares Unbehagen gibt es Drogerien und Apotheken. Jesusfreund 26. Jun. 2009

WOW! --Delabarquera 27. Jun. 2009

Ich fand meine Wow-Reaktion auch aus der zeitlichen Entfernung heraus immer noch angemessen. Was kann man schon machen, wenn jemand erkennbar unleidlich unterwegs ist. Plötzlich kam ich auf die Idee, die schlichte Suche zu formulieren: Wer ist eigentlich Jesusfreund? Was dann kam, war die Überraschung pur!
  • Zunächst habe ich, Platz 1 der Suchlsite, KenFM entdeckt.
  • Dann waren da massenhaft Artikel, manchmal der wüsten Sorte, Heißt: Schimpftiraden auf Jesusfreund und Gefolgsleute.
  • Und ich habe erfahren, dass der so Jesusfreund gesperrt wurde, aber zurückgekehrt ist.
Ich weiß nicht so recht, ob ich mich über Stellen wie die freuen -- ach, freuen ohnehin nicht. Ob ich mich da anschließen möchte:

Das Orwell’sche Ministerium für Informationswiederbeschaffung feiert mit den fraglichen Wikipedia-Autoren “copilot” et al. offenbar fröhliche Urständ’. Sehr dystopisch das. Wehe, die “jesusfreund”-Front ist Dein Feind…

Schließlich, und vielleicht am wichtigsten: Deutschland, das Anti-NSA-Land schlechthin, ist, wenn es um die Verfolgung persönlicher Interessen und dem Ausspähen von Meinungsgegnern gerade in den Wikipedia-Grabenkämpfen geht, allemal eine Ansammlung von hochaktiven Schnüfflern. Ich jedenfalls werde viel lieber von der NSA und vom BND übewacht als vom Wikipedia-Geheimdienst (und seinen Gegnern!). Muss ich das begründen und belegen? Nun gut: zum Wikipedia-Geheimdienst hatte ich her schon was gesagt, die Gegner, die mit den gleichen Mitteln arbeiten, finden sich beispielsweise auf der Seite studentenleben-os . Aber auch an vielen anderen Orten. Ach, und hier.

--

Nachtrag: Auf meinen Streifzügen habe ich auch oft die Meinung gelesen, dass die Wikipedia, was Naturwissenschaften und Mathematik angeht, vorbildlich sei, nur bei geisteswissenschaftlichen und politischen Themen und Stichwörtern, da gebe es ein Hauen und Stechen sondergleichen und nichts sei da gerade und brauchbar. Was irgendwie ja auch stimmt.

Das legt eine Folgerung nahe: Die weltanschaulich-politischen Gruppierungen sollten lieber gleich ihre je eigenen Enzyklopädien aufmachen. Dann kann man sich zu Themen wie Antisemitismus oder Imperialismus oder Verschwörungstheorie verschiedene Ansichten nebeneinanderstellen und sich seine Meinung bilden.

Wikipedia-Forschungen: Ken Jebsen

Wenn man etwas einigermaßen Substantielles (sic) über jemanden sagen will, dann muss man gaaanz ruhig das sagen, was einem auffällt. Ein wichtiger Punkt im Leben ist ja: In beruflichen Zusammenhängen sagt kaum jemand ehrlich, was ihn an einem anderen stört, weil die sozialen Folgen oft so unangenehm sind. Es bilden sich Parteiungen, man hat auf einmal Gegner und wenig später Feinde. Das möchte man nicht. Also hält man den Mund und schaut dem anderen staunend zu, wie er sich denn so 'verhält'. Ständig: randständig irgendwie.

Das vorausgeschickt jetzt das andere:

Ich habe gestern zum ersten mal, als ich ein paar Wikipedia-Links nachgegangen bin, den Namen Ken Jepsen gehört. Bei der Wikipedia der Eingangssatz: "Ken Jebsen (* 29. September 1966 als Moustafa Kashefi im Iran) ist ein deutsch-iranischer Fernseh- und Radiomoderator und seit 2011 als freischaffender Reporter auf seinem Portal KenFM tätig."

Später finde ich dann noch die Einschätzung: "Der Politologe Markus Linden urteilt, Ken Jebsen trete unter dem Namen KenFM 'als antiamerikanischer Prediger' auf, Jebsen führe auf KenFM 'predigthafte Monologe oder lange Interviews mit alternativen Kriegsreportern, abtrünnigen oder randständigen Politikern und Verschwörungstheoretikern'." [Stellung des letzten einfachen Anführungszeichens verändert.]

Obwohl das hart geurteilt ist, irgendwie verstehe ich, was der Herr Linden meint. Bei der Gelegenheit lerne ich, von gestern auf heute, mit ziemlch eindrucksvollen Beispielen:

Des einen Verschwörungstheorie ist des anderen vom 'Mainstream' unterdrückte Wahrheit. 

Analog dem alten Spruch: "Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer."

Also zu Ken Jebsen: Ich habe keine Zeit, mir da eine wirkliche Meinung über den Mann zu bilden. Das ist ja auch immer schwer bei Menschen, die von sich und ihrer Meinung so sehr überzeugt sind. Und denen dann andere gegenüberstehen, die diese Leute hart angreifen, mit Hinweisen, die sie, die anderen, ebenfalls für unabweisbar richtig halten. Bleibt Folgendes, das ich allein beim Anschauen einiger YouTube-Videos entwickle:

Ken Websen redet zu schnell und macht damit ständig den mir unangenehmen Eindruck, er rede auch viel zu viel. Vielleicht redet er in seinen Interviews tatsächlich zu viel, gemessen am zeitlichen Gesamtumfang. Für diese Beschreibung hat sich im Deutschen die polemische Wendung: 'Das ist einer, der hört sich gerne reden' herausgebildet. Ja, polemisch, aber man weiß, was gemeint ist. Der Wunsch -- die Wünsche, die aus dieser Feststellung folgen, sind recht klar: Langsamer sprechen, Herr Jebsen! Und nicht so viel! Den anderen etwas länger reden lassen. Und manchmal darüber nachdenken, ob die eigenen Überzeugungen wirklich so überzeugend sind, wie Sie selbst denken.

Ach so, ja, fast hätte ich es vergessen: Gut sieht er aus, der Herr Moderator! (Also nach dem, was mein einfacher Geschmack bei Männern so als gutaussehend (sic) empfindet.)

--

* Von der KenFM-Homepage:

Posted by: KenFM , Januar 6, 2012 || Hallo KenFM Freunde, Fans und Unterstützer. || Das „Experiment“ KenFM wurde im April 2001 von uns auf Radio Fritz gestartet und im November 2011 vom RBB beendet. | Die Medien sind nur so frei, wie der Auftraggeber es zulässt. Bisher war der Auftraggeber der Staat. KenFM war Teil des RBB, damit der ARD und damit GEZ finanziert. Die, die das Geld geben, die GEZ Gebührenzahler, haben allerdings wenig zu sagen in diesem System. Die, die über das Programm und seine Inhalte entscheiden, sind die Rundfunkräte und auf diese Menschen wird immer wieder Druck ausgeübt. Von Lobbygruppen oder wenn Lobbygruppen selber Personen des Rundfunkrates stellen. Das ist leider die Regel und verbirgt sich hinter dem Begriff: gesellschaftlich repräsentative Gruppe. Eine gesellschaftlich repräsentative Gruppe, die den GEZ Zahler, also den Hörer oder Seher repräsentiert gibt es nicht! | KenFM will das ändern, indem es mit gutem Beispiel voran geht. Wir wollen nicht zurück. Warum? Weil wir dieses System nicht ändern können. Wir können nur eine Alternative sein. Selbst wenn KenFM bei einem privaten Sender On Air gehen würde, wäre das System das selbige. Der Werbekunde bestimmt das Programm. Über die Markenwerte und deren gesellschaftliche Haltung kann nie kritisch berichtet werden. | KenFM hat sich daher entschlossen den Weg von Wikimedia zu gehen. Einhundertprozentige Unabhängigkeit kann nur der KenFM-Interessent garantieren, indem er KenFM finanziell unterstützt. Wenn jeder Interessent einen Jahresbeitrag von 20,00 Euro in diese Idee investiert, ermöglicht dies bereits mit 5000 Interessenten eine umsetzbare Plattform, um das Jahresbudget zu realisieren. Zur Zeit haben wir sowohl auf Facebook, als auch auf YouTube über 7000 User. Menschen die KenFM suchen und finden, für die wir eine wichtige Rolle einnehmen. Menschen mit denen wir in Kontakt stehen. Menschen, die uns auffordern, weiter zu machen.

Was denkt der unbedarfte Auf-den-ersten-Blick-Normalo (also zum Beispiel ich) wenn er das liest: Nun, da ist einer, der etwas unsozial daherkommt, keine Hierarchien anerkennen kann, weil er das Zentrum seiner eigenen Welt ist. Mit so jemandem ist schwer zusammenzuarbeiten. Und außerdem, wer sagt: "Die Medien sind nur so frei, wie der Auftraggeber es zulässt. Bisher war der Auftraggeber der Staat.", der denkt doch ein wenig arg schlicht. Nur weil ein Rundfunk öffentlich-rechtlich ist, ist man nicht, wenn man da arbeitet, 'beim Staat' angestellt. Da sind doch ein paar Instanzen dazwischen, und, natürlich in einem gewissen Umfang, gibt es eine 'Unabhängigkeit der Sender vom Staat'. Also, dass Radio Berlin-Brandenburg seinen angestellten Rechthaber-Querkopf vor die Tür gesetzt hat -- das ist vielleicht -- sagen wir: nachvollziehbar.

Freitag, 6. November 2015

Barazite -- Aussprache?

Ein Nebenbei-Problem ganz anderer Art, aus der deutschen Wikipedia, in der ich eben mal nachgeschlagen habe:

Wie spricht man auf arabisch Barazite aus? Dass die Engländer ihn "Barazit" nannten, verwundert nicht, die können ja kein e am Schluss aussprechen. Oder stimmt es? (nicht signierter Beitrag von 84.112.35.192 8. Aug. 2011

Meine Anmerkung

[Sehr nebenbei gesagt: Diese Frage führt ins Zentrum der merkwürdigen deutschen Regel, dass die "Aussprache in der eigenen Sprache" das entscheidende Kriterium für die Aussprache im deutschen Kontext ist. Mal abgesehen davon, dass das theoretisch wie praktisch nie wirklich klappt, weil unterschiedliche Sprachen ein unterschiedliches Phoneminventar haben -- Engländer und vor allem Franzosen machen vor, dass es anders geht. Wobei es natürlich auch in allen Ländern Sprachenkenner (und auch Besserwisser) gibt, die gerne zeigen, dass sie wissen, wie es "richtig" ist. --Delabarquera  6. Nov. 2015]

Das ist natürlich nicht ausführlich genug. Es müssten eine Reihe weiterer Größen hinzu kommen. Nämlich ungefähr diese:
  • Verschriftlichung (Übertragung Arabisch - Deutsch)
  • Verschriftlichung (Übertragung Arabisch - Lebensraum. Hier: Niederlande)
  • Phoneminventar
  • Rolle der Medien
  • Grad der Angleichung in der Zielsprache
  • Konkurrierende Schreibweisen und Aussprachen (vgl. Mao tse Tung, Mao Zedong, Original)
  • Akzeptanz und Allgemeinheit der Veränderungen

Unsere Leitkulturen

Es sind die Nebenmeldungen, die manchmal wichtig sind. Dieses zum Beispiel aus der Süddeutschen:

Der niederländische Fußballprofi Nacer Barazite vom FC Utrecht hat in seiner Heimat heftige Diskussionen ausgelöst. Der 25 Jahre alte Muslim verweigerte TV-Reporterin Hélène Hendriks vom Sender Fox nach einem Interview den Handschlag -- aus religiösen Gründen. | Dem männlichen Interviewer John de Wolf schüttelte er nach dem 4:2 am Sonntag gegen Twente Enschede dagegen die Hand. Über dieses Benehmen ist in den sozialen Medien eine Diskussion ausgebrochen. || "Für den IS rekrutieren lassen" | Für Schlagzeilen sorgte auch die Reaktion von Johan Derksen. "Wenn er sich so benimmt, muss er sich für den IS rekrutieren lassen", sagte der ehemalige Chefredakteur des Fußball-Magazins Voetbal International in einer TV-Talkshow.

Wenn Nacer nicht Fußballprofi, sondern, sagen wir: Bankangestellter wäre und keiner Kundin und keiner Kollegin und keiner Vorgesetzten die Hand geben möchte -- was dann? Muss man dann wirklich sagen, dass er zum IS gehört? Nein, muss man nicht. Das ist wirklich überzogen. Aber die Probleme, die sich in den Kleinigkeiten ergeben, reichen aus, um auf die Dauer die Probleme groß werden zu lassen. Denn selbst die, die schnell bei der Hand (!) sind mit hätte und Fahrradkette -- das Beispiel mit den Bankangestellten ist nun wahrhaftig nicht weit hergeholt.

Ach so, ja. Wenn wir den Wortsinn nur ein wenig verändern, dann ist der Glaube solcher Muslime -- es sind ja nicht alle, die Frauen nicht die Hand geben mögen -- natürlich auch eine Leitkultur. Diese Kultur leitet das praktische, alltägliche Handeln. Siehe oben.

Mittwoch, 4. November 2015

Wirtschaftsflüchtlinge

Ich lese in der WELT dies:

"Haq ist umtriebig, er hat viel ausprobiert, sich in vielem versucht in seinen 25 Jahren in Deutschland. Er sei das, was man einen "Wirtschaftsflüchtling" nennt, sagt er. Seine Familie habe damals zusammengelegt, die bereits nach Deutschland gereiste Tante habe geholfen, die umgerechnet 250 Euro für den Schleuser zu bezahlen. Verglichen mit heute waren das Schnäppchenpreise."

Die Überlegung ins Unreine: Wirtschaftsflüchtlinge haben angeblich kein Anrecht auf Asyl. Nur -- mit wem hat es dieser Staat und seine Bürger wohl leichter -- mit den politisch Verfolgten, die, wenn sie an der Macht wären, die anderen verfolgen würden, oder mit Leuten, die einfach nur besser leben und so Einiges dafür tun wollen? 

P. S. Natürlich sind nicht alle, die verfolgt und mit dem Tod bedroht werden, potentielle Andere-Verfolger. Aber ein gewisser Anteil ist natürlich unter den Flüchtlingen.

"Lügenpresse" ?

Wie man eine Sache hinter einem Wortschwall verbergen kann, macht unter dem Stichwort Lügenpresse die Wikipedia deutlich. Auszug:

Es handelt sich um ein Kompositum aus der Gruppe der Determinativkomposita, das heißt, ein Grundwort oder Kopf (Presse) wird durch ein vorangestelltes Bestimmungswort (Lügen) in seiner Bedeutung modifiziert. Semantisch lässt es sich als effizierendes Nomen bzw. Nomen resultativum einordnen: Das Bestimmungswort gibt das bewirkte Ergebnis an. Der Sinn ist damit etwa: die Presse, die Lügen schreibt. Mit dem Grundwort Presse sind gewöhnlich die tonangebenden Tagesmedien gemeint, im Sinne von Presse (Medien). Da diese Bedeutung erst im 19. Jahrhundert allgemein wurde, ist es nicht verwunderlich, dass das Kompositum erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nachzuweisen ist. Das Bestimmungswort Lügen enthält traditionell einen starken moralischen Vorwurf, wie der Linguist Gabriel Falkenberg in einem sozialgeschichtlichen Exkurs ausführt: sowohl nach dem Prinzip der ritterlichen Ehre als auch nach dem Prinzip der bürgerlichen Geschäftsmoral.

Klingt wie nach einer Proseminararbeit Linguistik, Abt. Wortbildung, 2. Semester, und sagt zur Sache nichts aus. Und dann auch noch der Belesenheitskotau die ritterliche Ehre, der mit dem Begriff gar nichts zu tun hat!

Ich denke, die schlichte Erläuterung, so es denn eine braucht, geht so: Der Begriff L. wird von Gruppen verwendet, die sich und ihre politischen Meinungen in den auflagenstarken Zeitungen und in Rundfunk und Fernsehen nicht richtig dargestellt sehen. Lüge meint dabei nicht in erster Linie, dass unwahre Mitteilungen gemacht werden; vielmehr beinhaltet der Vorwurf meist das Verschweigen Dingen im Namen einer wie immer gearteten political correctness.

In dem im vorhergehenden Post erwähnten Leser-Meinungen wird übrigens auf die Seite netzplanet.net verwiesen, die (angeblich) die Wahrheit sagt.

Die kaum linker Meinungsmache verdächtige Huffington Post dazu: Dieses neue Internetportal hetzt offen gegen Ausländer - und hat damit erschreckenden Erfolg | The Huffington Post | von Sebastian Christ(08/06/2015 17:27 | aktualisiert: 08/06/2015 17:39)

Die teilweise sehr heftige Diskussion über die Seite netzplanet.net und ihre Inhalte: hier.

Ein Problem: die Menschen können sich nicht für einen Moment außerhalb der Sphäre ihrer eigenen Meinungen und Überzeugungen hinstellen und die Welt beobachten und beschreiben, so wie sie sich, quasi von oben gesehen, darstellt. Nur so aber lässt sich ein wissenschaftlicher Standpunkt einnehmen.

As Europe goes by

Bevor ich mich schlafen lege, habe ich eben noch gesehen, dass sich die Stimmung im Land gerade verändert. Wo ich das gesehen habe? Nicht bei Pegida oder AfD. Sondern? Auf den Diskussionsseiten der guten alten ZEIT. (Na gut, schlechtes Wortspiel. Egal.) Der vorletzte Eintrag, der durchaus zusammenfassenden Charkater hat, lautet:

Die amtierende Politikergeneration ist gerade dabei, den Wohlstand von 50 Jahren zu verzocken, die alten Menschen in die Altersarmut zu treiben und den jungen Menschen ihre Zukunft zu rauben. Gewinner sind die Kriegstreiber, Großkapitalisten und Rüstungsabarone. Gegner des Schweinesystems werden diffamiert und mundtot gemacht. Das ist die finstere Welt Europas im Jahre 2015.

Wenn dieses Europa stirbt, dann werde ich laut lachen. Dann allerdings wäre es an der Zeit, sich eine Schrotflinte und einen großen Hund zu besorgen. Anarchie ist nämlich kein Spaß. Aber nach meiner Prognose wird der größte Kriegstreiber der Welt, die USA, sowieso bald vor die Wand fahren. Danach werden die Karten neu gemischt ...

Es ist, als seien allen linksliberalen ZEIT-Lesern plötzlich die Felle davongeschwommen und die Argumente ausgegangen. Wunderliches Szenario!

Dienstag, 3. November 2015

Sprache und Gewalt

Gewalt in der Sprache, also in sprachlichen Ausdrücken. Aufruf zur Gewalt, selbstverständlich: durch und mit Sprache. Und daneben das Gut der freien Rede. In den USA nahezu absolut gesetzt. Das gegenwärtige Deutschland befindet sich da eher an der anderen Seite einer Skala. Thomas Fischer in einem ZEIT-Kommentar:

Bevor Sie sich jetzt wieder aufregen, liebe Endkampf-Teilnehmer an den Pforten der Unterwelt: Lesen Sie doch einmal Saul Friedländer: Kitsch und Tod, und Josef Stalin: Marxismus und Fragen der Sprachwissenschaft. Die beiden Autoren haben wahrlich nichts miteinander zu tun.
...
Ein schweres, ein belastendes Werk, wie wir Nachgeborenen von unseren Eltern und Großeltern erfahren haben, die es unternahmen und dennoch Mensch geblieben sind. Ein Werk voll großem Ernst – deutsch eben. Es kann – aus der Sicht seiner damaligen Ersinner – unmöglich in Einklang gebracht werden mit Ansammlungen mehr oder minder bemitleidenswerter Individuen der Jahrgänge 1980 fortfolgende, die sich selbst "Sturm 18" nennen oder "Ernte 23" und aufgrund tragischer Dispositionen eine urwüchsige Freude daran haben, behinderte Menschen oder ängstliche Kinder oder situativ Schwächere zu quälen, ihnen Besenstiele in den Anus zu stecken, auf sie zu urinieren, sie im Kreis herumkriechen zu lassen, sie totzutreten, und so weiter. Also einer Personengruppe, die man als bedauernswert psychisch Gestörte oder meinetwegen auch als multipel sadistische Problempersönlichkeiten bezeichnen kann, was freilich keine Entschuldigung ist. Es gibt sie überall auf der Welt.

Nein! Was ein ernsthafter Juden-Verfolger ist, hat mit solchem Menschenmaterial so wenig zu tun wie der Deutsche-Bank-Broker mit dem American Psycho. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss, sprachen Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich. Sie sollen oft auch geweint haben.

Klatsch: de Rossi -- DeGeneres

Ich kenne sie doch noch aus den Ally-Sendungen, und nun -- jetzt erst entdecke ich das:

Portia de Rossi (bürgerlich Portia Lee James DeGeneres[1], * 31. Januar 1973 in Horsham als Amanda Lee Rogers) ist eine australisch-US-amerikanische Schauspielerin. Ihre bekannteste Rolle ist die der Nelle Porter in Ally McBeal. ... Durch den zunehmend stärker werdenden Öffentlichkeitsfokus [na ja, da überlegen wir uns mal ein besseres Wort, nicht wahr?] durch ihre Rolle in Ally McBeal verstärkte sich ihre Anorexie massiv. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie in ihrem Buch Unbearable Lightness, das 2010 veröffentlicht wurde und das innerhalb kürzester Zeit sehr erfolgreich wurde. 1996 heiratete sie Mel Metcalfe; die Ehe wurde 1999 geschieden. Von 2000 bis 2004 war de Rossi mit der Sängerin Francesca Gregorini, der Stieftochter von Ringo Starr, zusammen.

2004 verliebte sie sich dann in die zu diesem Zeitpunkt noch liierte Ellen DeGeneres. De Rossi und DeGeneres trennten sich von ihren Partnerinnen und leben seitdem zusammen in Los Angeles. DeGeneres gab in ihrer Talksendung vom 16. Mai 2008 bekannt, de Rossi heiraten zu wollen. De Rossi war ebenfalls im Studio anwesend, und die Ankündigung wurde vom Publikum mit Standing Ovations gefeiert. Einen Tag vorher war das in Kalifornien gültige Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen gerichtlich gekippt worden. Am 16. August 2008 erfolgte die Trauung in DeGeneres’ Haus in Beverly Hills; im August 2010 nahm sie den Namen ihrer Frau an und heißt seitdem mit bürgerlichem Namen Portia Lee James DeGeneres. Seit September 2011 ist sie US-amerikanische Staatsbürgerin. 

Eisenberg & Rechtschreibung

Peter Eisenberg hat einen Preis bekommen, den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa. In der Berichterstattung wird auch erwähnt, dass er den Rechtschreibrat verlassen hat. Dazu passt, was unten einmal hervorgehoben sei:

Sie [die Rechtschreib-Kenntnisse bei Schülern] haben sich [...] bei allen Schultypen dramatisch verschlechtert. Dafür werden zwar verschiedenste Gründe, unter anderem neue Unterrichtspraktiken, angeführt. Aber ein erstaunlich hoher Anteil von Fehlern geht offenbar unmittelbar auf die Reform von 1996 zurück. Sie scheint auf bestem Wege, sich als der größte Rohrkrepierer der deutschen Kulturpolitik seit 1945 zu erweisen. 

Schon 2008 hatte der Germanist Uwe Grund (Saarbrücken, heute Hannover) in einer umfangreichen Studie nachgewiesen, dass sich die Fehlerquote in Schülerdiktaten und -aufsätzen gegenüber der Zeit vor der Reform erhöht hat. Kritiker hatten ihm darauf eine zu schmale Datenbasis angekreidet. Jetzt hat Grund auf der Jahrestagung der Forschungsgruppe Deutsche Sprache in Frankfurt/Main nachgelegt und auf der Grundlage einer erdrückenden Datenmenge ermittelt, dass die falschen Schreibungen in Diktaten und Aufsätzen seit der Rechtschreibreform verdoppelt haben.

Die Reform provoziert Fehler

Dem Befund liegen für die Auswertung von Schülerarbeiten aus der Zeit vor der Reform ein Korpus von 1500 Klassenarbeiten der Gymnasialstufe mit 400.000 Wörtern, die Sekundärauswertung einer DDR-Studie mit 2,2 Millionen Wörtern sowie zwei Schweizer Studien zur 6. Klasse der Primarschule sowie zu den Abiturklassen zugrunde. Für die Zeit nach der Reform hat Grund zusätzlich zwei Studien im Auftrag der Kultusministerkonferenz zum Leistungsstand bei Neuntklässlern (2008 und 2010) sowie die erst vor wenigen Wochen publizierte Erhebung des Gießener Germanistikprofessors Wolfgang Steinig über die Rechtschreibleistungen von Viertklässlern 1972/2001 herangezogen. Insgesamt kann er sich damit für diesen Bereich auf einen Korpus mit 3,5 Millionen Wörtern stützen. (WELT)

Und hier geht es lustig weiter!

Ordnung muss nicht sein

Es gibt eine Menge Gründe, die gegenwärtigen Einwanderungsgepflogenheiten kritisch anzusehen. Menschen, die vor der Registrierung "abtauchen". Warum? Wohin? Ach, wen interessiert's. 

Sollten nun aber Radikale von Schlage al-Sawahiris ein paar Menschen einschleußen, die dann eine Bombe zünden, wird sich das politische Klima, und das heißt: werden sich die Wahlergebnisse, schlagartig ändern.

Der Chef des Terrornetzwerks Al-Qaida, Aiman al-Sawahiri, hat Muslime in aller Welt zu Anschlägen auf westliche Länder aufgerufen. So sollten die USA im eigenen Land ebenso wie US-Einrichtungen in aller Welt angegriffen werden, forderte al-Sawahiri nach Angaben des auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierten US-Unternehmens SITE vom Montag. | Laut SITE wurde das Video diesmal nicht durch islamistische Internetseiten verbreitet, sondern über Twitter. In dem Video lobte der Al-Qaida-Chef auch die Messerattacken von Palästinensern gegen Israelis. | Als Beispiele für Anschläge im Westen führte er den Islamisten Mohamed Merah an, der 2012 drei Soldaten sowie drei Schüler und einen Lehrer einer jüdischen Schule in Toulouse erschossen hatte. Auch die Tat der Brüder Zarnajew, die 2013 beim Boston-Marathon drei Menschen durch Sprengsätze getötet hatten, hob al-Sawahiri hervor. (WELT)

Da man irgendwie reisen kann, ist ein Überblick nicht möglich.

Andere Asylsuchende reisen aus, ohne dafür ein Programm zu nutzen. "Wenn Menschen unabhängig von dem Programm ausreisen, tun sie dies oftmals, ohne sich behördlich zu melden", sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Da es kein Ausreiseregister gibt, kann das Bundesinnenministerium keine zuverlässige Angabe zur Gesamtzahl der freiwilligen Ausreisen machen. (n24)

Wenn was passiert, dann ist die schöne Freizügigkeit, an die wir uns schnell gewöhnt hatten, auf einmal perdu. Und es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis die Gewalt zunimmt.

Sonntag, 1. November 2015

Tödliche Komplimente

Wer eine solche gut gemeinte Beschreibung bekommt, braucht keinen Verriss mehr:

Köln - Sängerin Lena Meyer-Landrut (24, "Crystal Sky") strahlte auf dem roten Teppich des Deutschen Comedypreises 2015 in einem azurblauen Abendkleid. Die bodenlange Designer-Robe mit Schleppe wurde von Stella McCartney kreiert und schmiegte sich besonders sanft an Lenas Kurven an. Der geraffte Stoff an der Taille diente als Hingucker, ein tiefes Dekolleté wurde also nicht vermisst. | Lena wählte schwarzen Nagellack, farblich passend zu ihrer Clutch und den High-Heels. Ein schmales goldenes Armband und dezente Ohrstecker rundeten das Outfit ab. Das braune Haar trug die Sängerin im Mittelscheitel offen über die Schultern gelegt. Mit einem dunklen Make-up betonte sie die Augen, die Lippen waren nudefarben geschminkt. (AZ)

Wurde also nicht vermisst, das Dekolleté! Und nudefarben waren die Lippen! Nun gut.

Berühmteste Fotografen?

Eine interessante Diskussion mit Kati B. Sie nennt einen Fotografen, der ja – wirklich – sehr bekannt, nein, weltberühmt sei. Ich kenne ihn nicht. Na gut, wie viele Fotografen kenne ich denn überhaupt?  Jürgen Teller, weil er Franke und provokant und hin und wieder in der ZEIT ist. Roger Fritz, weil ich den nicht sehr gut, aber immerhin persönlich kenne. Helmut Newton? Na ja, wer, der einmal eine Pubertät durchlebt hat, kennt nicht Newton. Heinrich Hofmann? Der ist wirklich weltberühmt, aber aus ganz anderen Gründen und nicht bei der heutigen Jugend. Und natürlich die hier bereits genannte junge Fotografin Lina Scheynius!
Und – ist Fotografie überhaupt Kunst? Kaum ist die Frage gestellt, geht das Hauen und Stechen los, ich weiß. Wobei vor allem die Fotografen und ihre Galerien stechen. Den anderen ist die Frage ziemlich egal.
Wie heißt nun Katis weltberühmter Fotograf? Suchen wir doch mal: »Die berühmtesten lebenden Fotografen« oder so ähnlich.
Na klar, eine Website kennt sie! Es sind die folgenden zehn:
  1. Cindy Sherman (Kostümierte Selbstportraits)
  2. John Baldessari (Übermalte Fotos)
  3. Thomas Ruff (Sterile Portraits, Architektur)
  4. Andreas Gursky (Großformate) [Das war der, um den es Kati ging.]
  5. Wolfgang Tillmans (Gender-Portraits)
  6. Thomas Struth (Gruppen-Portraits, Architektur)
  7. Valie Export (Feministische Portraits)
  8. Nan Godin (Subkultur-Portraits)
  9. Jeff Wall (Inszenierte Fotografie)
  10. Hiroshi Sugimoto (Minimalistische S/W-Fotos)
Wie kommt diese Seite auf diese Aufstellung? Nun, natürlich über den Preis der Fotos. Die von Stellen, die an Kunst als Geldanlage interessiert sind, eingeteilt wird.

Neben der Stockfotografie gibt es noch ganz andere fotografische Bereiche. Sicher träumen viel mehr Kunstschulen-Absolventen davon, ihre Fotos groß in internationalen Galerien zu sehen als tausendfach auf Werbeflyern. | Deshalb habe ich mal über den Bildagentur-Tellerrand geschaut und – inspiriert durch die Zeitschrift Capital – bei artfacts.net die zehn bedeutendsten lebenden Fotografinnen und Fotografen rausgesucht. | Artfacts erstellt regelmäßig eine Top-100-Liste aller Künstler weltweit und vergibt Punkte für die öffentliche Präsenz. Eine Einzelausstellung zählt mehr als eine Gruppenausstellung, je renommierter die Galerie oder das Museum, desto mehr Punkte gibt es. (Ebd.)

Gut, gut. Da steckt Arbeit und Kenntnis dahinter. Nehmen wir das mal an. Obwohl – Nan Godin? Goldin!

Jetzt der nächste Versuch: »the world’s most famous photographers«. Eine Seite findet sich, die genau so heißt. Was sagt die? Sie macht die folgende Liste auf:
  1. Annie Leibovitz
  2. David LaChapelle
  3. Ellen von Unwerth
  4. Irwing Penn
  5. Mario Testino
  6. Patrick Demarchelier
  7. Steven Klein
  8. Steven Meisel
  9. Terry Richardson
  10. Solve Sundsbo
Was lernen wir daraus? Solche Listen sind allesamt Kokolores, wenn sie nicht den Weg ihrer Entstehung mit angeben und zur Diskussion freigeben. Und wir halten fest: Die beiden Listen sind elementausschließend. Keiner kommt in beiden Listen vor. Das erstaunt doch schon mal.
Jetzt also lernen wir etwas über die »operationale Definition« von berühmter Fotograf. Deutsch oder Englisch? Oder Französisch? Wir bleiben bei der Suche N. N. photography, also englisch. Bei Jeff Wall zeigt sich: ohne Anführungszeichen fast 11 Mio. Treffer. Weil eben jeder Jeff, der mal eine Mauer fotografiert hat, hier auftaucht. Ab jetzt also in Anführungzeichen. Und die erste Spalte zeigt an, was die Werte ohne Anführungszeichen waren. Warum der David LaChapelle mit Anführungszeichen mehr Treffer erzielt als ohne, das muss bei Google noch herausgefunden werden.

Andreas Gursky
432.000
394.000
Annie Leibovitz
668.000
692.000
Cindy Sherman
582.000
392.000
David LaChapelle
517.000
951.000
Ellen von Unwerth
628.000
605.000
Hiroshi Sugimoto
569.000
315.000
Irwing / Irving Penn
594.000
558.000
Jeff Wall [ohne Anführungszeichen: 10.900.000]

156.000
John Baldessari

373.000
Nan Go[l]din

265.000
Patrick Demarchelier

551.000
Solve Sundsbo

285.000
Steven Klein

427.000
Steven Meisel

625.000
Terry Richardson [auch »Terry Richardson« photographer 821.000]

779.000
Thomas Ruff

118.000
Thomas Struth

110.000
Valie Export

101.000
Wolfgang Tillmans

174.000

Und nun sortieren wir noch einmal. Und siehe da, jetzt sieht die Reihenfolge schon mal anders aus!

David LaChapelle 951.000
Terry Richardson [auch »Terry Richardson«, einschließl. photographer 821.000] 779.000
Annie Leibovitz 692.000
Steven Meisel 625.000
Ellen von Unwerth 605.000
Irwing / Irving Penn 558.000
Patrick Demarchelier 551.000
Steven Klein 427.000
Andreas Gursky 394.000
Cindy Sherman 392.000
John Baldessari 373.000
Hiroshi Sugimoto 315.000
Solve Sundsbo 285.000
Nan Go[l]din 265.000
Wolfgang Tillmans 174.000
Jeff Wall [ohne Anführungszeichen: 10.900.000] 156.000
Thomas Ruff 118.000
Thomas Struth 110.000
Valie Export 101.000

Und die, die ich am Anfang genannt habe? Nun ja, Newton würde – Überraschung! – nach Ellen von Unwerth einsortiert werden. Lina käme noch ungefähr in die Reihe. Und sonst?

Helmut Newton 570.000
Lina Scheynius 99.500
Heinrich Hofmann 39.200
Roger Fritz 28.600

Und wie steht es by the way mit ... ? Ja da schau her!

Jürgen Teller 779.000