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Dienstag, 4. März 2014

Feldermodell des deutschen Satzes -- sinnvoll?

Ach, wie schön ist es, in großen theoretischen Zusammenhängen hin und wieder Dampf abzulassen! So wie eben. Mit einer Meinungsäußerung, die gute Chance hat, wegen "Theoriefindung" sogar aus der Diskussionseite bei der Wikipedia herausgenommen zu werden. Darum zur Sicherheit hier noch einmal aufgehoben:


In dem Artikel kommt, sehe ich es recht, "Kritik" / "kritisch" nicht vor. Wahrscheinlich zurecht, weil es bei der Topologie so ist wie meist in der Linguistik: Entweder man erkennt etwas an, dann macht man mit und kritisiert höchstens im Detail, um zu zeigen, dass man die Sache verstanden hat und zur Gemeinschaft der Insider gehört. Oder man macht nicht mit, dann kritisiert man auch nicht, weil man keine Lust hat, sich längere Zeit mit etwas, das einem "irgendwie fremd ist" zu beschäftigen. -- Mein kritischer Ansatz: In der Linguistik gibt es nur zwei Gebiete, in denen Sinn und Erfolg eines Modells ausgetestet werden können: a) die Sprachdidaktik und b) die automatische Übersetzung via anwendbarer Algorithmen. Die Feldereinteilung ist für mich ein Beispiel, wie mit einen irrsinnigen theoretischen Aufwand nahezu nichts im Sinne von a) / b) erreicht wird.

Beispiel: "Wenn, wie oben gesagt, Mittelfeld und rechte Klammer zusammen eine Phrase bilden, ferner das Vorfeld eine Phrase bildet, und in der linken Klammer das Verb als einzelnes syntaktisches Wort steht, ergibt sich ein Aufbau, der genau so von der X-Bar-Theorie der Phrasenstruktur vorausgesagt wird, nämlich die Gliederung in Spezifikator, Kopf und Komplement. Das Phänomen, dass das Vorfeld eine ganze Phrase darstellt, die linke Klammer jedoch nicht, wäre damit aus allgemeinen Prinzipien des Strukturaufbaus abzuleiten. Es ergibt sich eine Analyse des deutschen Satzes als Komplementierer-Phrase (CP) mit einer Kopfposition C:"

Ja, wenn! Und ob es sinnvoll ist, sich von X-Bar die Weihen abzuholen, ist noch mal die Frage. (BTW: Der Doppelpunkt bei C: ist von einer besonderen Eleganz.)

Ich für meinen Teil sehe beim Feldermodell wieder mal Paul Feyerabend bestätigt, der einst geschrieben hat: "Dieses Verfahren [des Zweisprachen-Modells der Wissenschaftstheorie], das manchmal einen ungeheuren logischen Apparat erfordert und deshalb oft als der letzte Schrei einer wahrhaft wissenschaftlichen Philosophie angesehen wird, ist noch schlechter als die einst recht beliebte Forderung, Zweifelsfragen durch Übersetzung ins Lateinische zu klären." (Erläuterung, nur zur Sicherheit: Eine "Übersetzung" einer Sache in eine wie immer geartetete Metasprache ist so lange keine wissenschaftliche Erklärung bis ein Nutzen durch diese Übersetzung gezeigt werden kann. Vgl. a) und b) oben. Das bloße Gefühl von Insidern, jetzt etwas erklärt zu haben und zur Gruppe der "Wissenden" zu gehören, ist in keinem Fall ausreichend.)