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Dienstag, 4. März 2014

Die Schwestern des Perpetuellen Doofseins

Der Karneval geht allmählich zuende. In Ordnung. Das Folgende ist aber kein Kölner Humor ...

Mir fällt es zunehmend schwer, in einer Gesellschaft zu leben, die kein Gespür für korrektes Benehmen hat. Im Großen wie im Kleinen. In einer Gesellschaft, deren Gruppen schnell kuschen, wenn auch nur das mindeste Risiko besteht, die aber die Sau rauslassen, wenn sie das ungestraft tun können. (Natürlich gibt es wie immer Ausnahmen.) -- Beispiel, per Zufall gefunden:

"Schwestern der Perpetuellen Indulgenz", Rohübersetzung: "Schwestern der beständigen Nachsicht".

Natürlich ist der katholische Schwestern- und Ordensbegriff heute nicht mehr schützbar. Aber dass da höhnisch mit alten Mustern getönt wird, das ist einfach ein Zeichen von gesellschaftlich akzeptierter Doofheit, die heute allüberall waltet und oft zum Medien-Leitbild erhoben wird. ("Witzischkeit kennt keine Grenzen", nicht wahr, Stefan Raab?)


Wer zeigen will, dass er einen tapferen Humor besitzt und außerdem dafür ist, dass der Islam mehr noch als heute ein Teil von Deutschland wird, der könnte doch mal die Gemeinschaft der Ayatollahs des Arcus Caelestis gründen. Mit entsprechender Kostümierung. Und dann abwarten, was geschieht.

Interessant wird irgendwann wahrscheinlich die Frage: Was, wenn christliche Gruppierungen sich entsprechend radikalisieren und Leib und Leben der Religionslästerer bedrohen? Schnell würden diese "Schwestern" wieder brav über die Straßen huschen, in bürgerlicher Kleidung, um nicht aufzufallen.

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Da diese "Ordengsgemeinschaft" den Wikipedia-Artikel wohl selbst geschrieben hat, bin ich einmal gespannt, ob eine Anfrage in der WP-Diskussion weitere Informationen bringt. (Nachtrag 05.03.2014)

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Nachtrag: Alte Diskussionen gelesen. Das gefunden:

"Lieber Herr Jansen [= Janßen]

Nonnen und Schwestern gibt es nicht nur in der katholischen Religion. Fast jede Religionsgemeinschaft hat Nonnen. Es gibt niemand der das alleinige Recht darauf hat, als Nonne bezeichnet zu werden. Es gibt auch für die katholische Kirche keinen Schutz für die Bezeichnung Nonne und die im Ordenswesen verwendeten Begriffe.

Wir sehen uns nicht als Veralberung der Nonnen sondern wir arbeiten in ihrem Sinne. Unentgeltlich, ohne persönliche Vorteile für uns selbst, nur zum Wohle der Gemeinschaft. Wir nutzen die Ordensstrukturen um unsere Arbeit effektiv zu gestalten. Persönlich haben wir keinerlei Vorteile schon gar keine finanziellen. Alles was wir unternehmen (Fahrten, Kleidung usw.) finanzieren wir aus eigener Tasche.

Als "Dauerkarnevalist" möchte ich mich definitiv nicht bezeichnen lassen. Parodie empfinde ich als absolute Frechheit. Meine Arbeit hat einen sehr ernsten Hintergrund angesichts der steigenden AIDS Neuinfektionen und der steigenden Syphillis Neuinfektionen. Mein Make up und meine Kleidung macht mich einerseits für alle erkennbar, wer uns sieht, der weiß er kann bei uns unentgeltlich Safer Sex Utensilien bekommen, seine Probleme los werden oder sich einfach nur informieren."

Usw. Usf. Man sollte da weiterlesen. Denn der "Herr Jansen" weiß durchaus seine Worte und Argumente zu wählen. Spannend!

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Klasse ist das: "Parodie empfinde ich als absolute Frechheit." Klasse auch die Zeichensetzung.

Ich hatte, bevor ich das gelesen habe, meinen Diskussionsbeitrag überschrieben: "Kritik 2: Warum parodistisch-religiöse Aufmachung?"

Nun könnte ich mich auf einen Definitionswettstreit zum Begriff Parodie einlassen (den ich wahrscheinlich gewinnen würde). Aber was soll's. Es geht auch das Wort Verhohnepipelung. Da wird ja kaum jemand was dagegen sagen können, der Bilder betrachten und Texte lesen kann.

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Diese zurückliegenden WP-Diskussionen ähneln im Übrigen vereinsinternem Kaffeeklatsch. Höchst eigenartig.

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Ich beginne weiterzudenken. Ich denke an: "Was darf Satire? Ignaz Wrobel, Berliner Tageblatt 36, 27.01.1919"

Nur -- wetten? Wenn itzud jemand kommt und sagt, das SPI-Projekt, das sei halt Satire, und die Satire dürfe ja bekanntlich...? Alles! Jawohl! Dann haben diese Schwestern auch da etwas einzuwenden.