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Mittwoch, 1. Februar 2012

Carsten S. und die sogenannte "NSU"

Irgendwie kommt es mir langsam erstaunlich vor, wenn ich das im SPIEGEL lese:

"01.02.2012 | Zwickauer Zelle | GSG 9 nimmt weiteren mutmaßlichen Terrorhelfer fest | DPA | Düsseldorf: Polizisten nahmen in einem dieser Häuser den Verdächtigen fest || Die Bundesanwaltschaft hat einen weiteren mutmaßlichen Unterstützer der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle inhaftiert. Die GSG 9 nahm den 31-jährigen Carsten S. in Düsseldorf in Gewahrsam. Ihm wird Beihilfe zu sechs Morden angelastet."

Man hatte ja inzwischen den nebelhaft-unklaren Eindruck, dass "die Rechten" mit Recht davon ausgegangen sind, dass sie im Grunde genommen von der Verwaltung und vom Verfassungsschutz als -- nun ja, gute, aber halt ein wenig fehlgeleitete Deutsche wahrgenommen worden sind. Dass die Neo-Nazis meinten, es sei ihre Stärke und ureigenste Domäne, dass sie Terror und Schrecken verbreiten. Da könne ihnen keiner. Dieser liberale, tolerante Staat schon gar nicht. Vielleicht wird diesen Leuten jetzt klar, dass sie ein gewisses Risiko eingehen, wenn sie so sind, wie sie sind.

Und bei der Gelegenheit: In früheren Zeiten war die DDR die "sogenannte DDR" und die Baader-Meinhof-Gruppe wurde zur "Baader-Meinhof-Bande". (Nur die Sympathisanten sprachen von "der RAF". Das hat sich mit dem größeren historischen Abstand geändert. Sei's drum.) 

Bei dieser "selbstgetauften NSU" schreiben aber alle einfach nach: NSU. Aber da waren doch mal die NSU (Motorenwerke) und jemand hat, umgangssprachlich, einen NSU gefahren. Die richtigen NSUler von damals könnten sich schon verhöhnt vorkommen, dass ihnen der Name so weggenommen und auf rechtsradikal gestrickt wird. 

Also denn: Muss man eine solche Selbstbezeichnung wirklich einfach so übernehmen, liebe Döner-Medienvertreter?

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Und noch ein Problem, stilistisch sicher etwas eigenartig-bildhaft gefasst:

"Luthardt: Viele in JN (Junge Nationaldemokraten - d. Red.) und Kameradschaften haben einen IQ im Bereich meiner Schuhgröße. Die meisten sind einfach gescheiterte Existenzen: Hilfsschüler, Leute, die die Schule oder die Lehre abgebrochen haben, Alkoholiker, die woanders keinen Fuß auf den Boden kriegen, Schläger. Es gibt aber in jedem Ortsverband drei bis fünf Mann, die nicht vorbestraft sind. Die werden dann zur Presse oder an die Infostände geschickt."