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Sonntag, 10. April 2011

Prantl zu Häberle: Einzelfragen 3

Hier ist ein Satz Prantls Anlass für eine wissenschaftshistorische und wissenschaftstheoretische Frage.  Es geht also nicht um Häberle oder zu Guttenberg. Jedenfalls nicht direkt. 

Allenthalben wird so getan, als erkenne man einen 'klugen Kopf' -- hier natürlich verstanden als 'Kopf mit der Fähigkeit zur zukünftigen großen wissenschaftlichen Leistung' -- mit derselben Leichtigkeit, mit der man einen Hammer erkennt und, sagen wir: von einer Feile unterscheidet. 


"Andreas Voßkuhle hat das erlebt: Als Häberle den Studenten Voßkuhle im Seminar als klugen Kopf ausgemacht hatte, rief er ihn zu sich und sprach mit ihm über die ferne Zukunft - Dissertation, Habilitation."

Aber, nun ja, wie erkennt man ihn denn, den klugen Kopf? Da sollten endlich Forschungen her! Und in diesen Forschungen sollte die Konsensustheorie der Wahrheit strikt von der Referenztheorie geschieden werden. (Heißt: Wenn die Fachleute unterhalten, kommen sie zu einem gemeinsamen Urteil. Sie glauben dann auch schnell, ihr gemeinsames Urteil sei 'intersubjektiv' gültig. Dabei ist es nur das Ergebnis eines Kurzklüngelns.)

Das mit dem referenztheoretisch Intersubjektiven ist einfacher als man denkt: Man lasse fünf akademische Würdenträger eine Gruppe von diskutierenden Studenten des gemeinsamen Faches eine Zeitlang beobachten. Und dann sollen die Professoren jeweils eine Liste Bester ... Schlechtester aufstellen. Festzustellen und zu interpretieren ist wie Faktenlage: Wie sehr stimmen die Urteile der Experten überein?

Und wenn dann alle sehen, wie Glück, Zufall und Können bei der Erkenntnis der Qualität eines Studenten einen festen Zusammenhang bilden, dann haben wir etwas erreicht, und wir können daran gehen, dieses Urteilen faktoriell zu modellieren.