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Donnerstag, 14. April 2011

Prantl zu Häberle: Einzelfragen 7

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Eine ganz andere, eine ganz neue Dimension. 


Häberle hat, es ist lange her und fast vergessen, einmal einen der konservativsten und elitärsten Zirkel aufgebrochen, den es in Deutschland gab: die Vereinigung der deutschen Staatsrechtslehrer. Professoren und Privatdozenten aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz, die dort nicht zur Aufnahme vorgeschlagen oder trotz Vorschlags nicht aufgenommen werden, sind beruflich erledigt. Die Konservativen wollten Anfang der neunziger Jahre, also lang nach den Studentenunruhen von 1968, einen Professor erledigen, der seinerzeit als Jurastudent zum Vorlesungsboykott aufgerufen hatte. 'Unerträglich' sei es, jemanden aufzunehmen, der 'die Freiheit der wissenschaftlichen Lehre bekämpft' habe. Bei den nationalsozialistisch belasteten Professoren hatte man in den fünfziger Jahren solche Bedenken nicht gehabt. Mit Vehemenz und Erfolg setzte sich damals Häberle für den untadeligen Kandidaten ein.

Was machen wir da? Was machen wir angesichts dieser eher nebenbei hingesetzten Bemerkung, der der Hintergrund anzumerken ist: 'Das ist ja hier nicht das Thema.' Wie kann die Aufarbeitung der ersten 20 Jahre Bundesrepublik Deutschland vonstatten gehen? Am besten mit einer Liste all derer, die wieder in Amt und Würden gelangt sind, obwohl sie vordem leitende NS-Funktionen übernommen hatten. Nur ist heute der Abstand so groß, dass es einem manchmal vorkommt, als machten sich da Historiker-Kommissionen daran, die Zeit des Neros und dann das Vierkaiserjahr zu untersuchen.

Eine der großen Ungereimtheiten der Geschichte, dass die Eliten über den Machtwechsel hinaus Eliten bleiben. Eliten! Ja, auch in jedem System des Wahnsinns gibt es Eliten. Dinge müssen professionell verwaltet werden. Sei es die Restaurierung von Schlössern, sei es das millionenfache rassistische Morden von Menschen.

Das Fragment, haben wir gelernt, ist die Lieblingsform der deutschen Romantik. Schreiben wir Fragmente über die Nazis nach 1945.